
An der Türe empfing Charlotte ihren Gemahl und ließ ihn dergestalt niedersetzen, daß er durch Tür und Fenster die verschiedenen Bilder, welche die Landschaft gleichsam im Rahmen zeigten, auf einen Blick übersehen konnte. Er freute sich daran, in Hoffnung, daß der Frühling bald alles noch reichlicher beleben würde. “Nur eines habe ich zu erinnern”, setzte er hinzu: “die Hütte scheint mir etwas zu eng.” “Für uns beide doch geräumig genug”, versetzte Charlotte.
“Nun freilich”, sagte Eduard, “für einen dritten ist auch wohl noch Platz.”
“Warum nicht?” versetzte Charlotte, “und auch für ein viertes. Für größere Gesellschaft wollen wir schon andere Stellen bereiten.”
“Da wir denn ungestört hier allein sind”, sagte Eduard, und ganz ruhigen heiteren Sinnes: “so muß ich dir gestehen, daß ich schon einige Zeit etwas auf dem Herzen habe, was ich dir vertrauen muß und möchte, und nicht dazu kommen kann.”
“Ich habe dir so etwas angemerkt”, versetzte Charlotte.
“Und ich will nur gestehen”, fuhr Eduard fort, “wenn mich der Postbote morgen früh nicht drängte, wenn wir uns nicht heut entschließen müßten, ich hätte vielleicht noch länger geschwiegen.”
“Was ist es denn?” fragte Charlotte freundlich entgegenkommend. “Es betrifft unsern Freund, den Hauptmann”, antwortete Eduard. “Du kennst die traurige Lage, in die er, wie so mancher andere, ohne sein Verschulden gesetzt ist. Wie schmerzlich muß es einem Manne von seinen Kenntnissen, seinen Talenten und Fertigkeiten sein, sich außer Tätigkeit zu sehen und — ich will nicht lange zurückhalten mit dem, was ich für ihn wünsche: ich möchte, daß wir ihn auf einige Zeit zu uns nähmen.”
