
Alexander Kent
Eine letzte Breitseite
Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer
Wie Seeungeheuer teilten die Rümpfe die Wogen, während turmhoch über Deck die britische Kriegsflagge wehte.
I Das Geschwader
Im Schütze des hochragenden, zerklüfteten Felsens von Gibraltar zerrten Kriegsschiffe verschiedener Art und Größe an ihren Trossen und warteten darauf, daß die plötzliche Bö abflaute. Trotz gelegentlicher blaßblauer Streifen zwischen den jagenden Wolken war es so kühl, daß man meinen konnte, man sei in der Biskaya und nicht im Mittelmeer.
In Anbetracht ihrer strategischen Wichtigkeit wirkte die Reede von Gibraltar erstaunlich leer. Hauptsächlich Versorgungsschiffe, Briggs und Schoner, hatten hier entweder Zuflucht gesucht oder warteten auf Orders. Nur drei größere Kriegsschiffe lagen vor Anker, und zwar in beträchtlicher Entfernung von den in Gibraltar beheimateten Fahrzeugen. Es waren drei Linienschiffe mit je vierundsiebzig Geschützen, zu dieser Zeit, im Januar 1798, die beliebtesten und am besten verwendbaren Kriegsschiffe.
Das dem Lande am nächsten liegende Schiff trug den Namen Ly-sander quer über dem breiten, gedrungenen Heck; ein Name, wie er der Galionsfigur entsprach, die böse vom Bugspriet über die See starrte: der schwarzbärtige Feldherr der Spartaner, in Brustpanzer und mit Helmbusch, geschnitzt von Henry Callaway in Deptford, gab eine prachtvolle Galionsfigur ab. Wie der ganze Zweidecker war auch sie frisch gestrichen; es schien kaum glaubhaft, daß dieses Schiff elf lange Jahre in des Königs Diensten hinter sich hatte.
Der Kommandant, Kapitän Thomas Herrick, wanderte auf dem breiten Achterdeck auf und ab und warf dabei kaum einmal einen Blick zur Küste. Dachte er an Zustand und Aussehen seines Schiffes, so empfand er eher Besorgnis als Stolz.
