
»Es ist ein Problem aufgetaucht«, sagte Mrs. Oliver. »Sehr schwierig, ich weiß nicht, was ich machen soll.«
»Und deshalb kommen Sie zu mir. Ich fühle mich geschmeichelt. Höchst geschmeichelt.« »Welche Zeit würde Ihnen passen?«
»Neun Uhr? Wir könnten zusammen Kaffee trinken, falls Sie nicht einen Grenadine oder einen Sirop de Cassis vorziehen. Aber nein, so etwas mögen Sie ja nicht. Ich erinnere mich.« »George«, sagte Poirot, nachdem er eingehängt hatte, zu seinem unschätzbaren Diener, »wir werden heute abend das Vergnügen eines Besuches von Mrs. Oliver haben. Ich denke, Kaffee und irgendeinen Likör. Ich bin nie ganz sicher, was sie gern trinkt.«
»Ich habe sie Kirsch trinken sehen, Sir.«
»Und Creme de Menthe glaube ich auch. Aber Kirsch hat sie, glaube ich, lieber.«
Mrs. Oliver kam pünktlich. Beim Abendessen hatte Poirot darüber nachgedacht, was Mrs. Oliver zu ihm trieb und warum sie so im Zweifel war, was sie tun sollte. Kam sie wegen eines schwierigen Problems zu ihm, oder würde sie ihm von einem Verbrechen erzählen? Poirot wußte genau, bei Mrs. Oliver war alles möglich. Die einfachsten und die ungewöhnlichsten Dinge. In ihren Augen waren sie alle gleich wichtig. Aber sie war beunruhigt. Nun, dachte Hercule Poirot, er würde mit Mrs. Oliver schon fertig werden. Er war immer mit ihr fertig geworden. Gelegentlich machte sie ihn wütend. Gleichzeitig war er ihr wirklich sehr zugetan. Sie hatten viele Erfahrungen und Experimente zusammen gemacht. Erst heute morgen hatte er irgend etwas über sie in der Zeitung gelesen - oder war es im Abendblatt gewesen? Er mußte versuchen, sich zu erinnern, bevor sie kam. Es war ihm gerade gelungen, als sein Diener Mrs. Oliver meldete.
Sie kam ins Zimmer, und Poirot schloß sofort, daß seine Diagnose zutraf. Sie war besorgt. Ihre Frisur, sonst immer sehr sorgfältig gelegt, war unordentlich, weil sie in ihrer fieberhaften und hastigen Art, die sie manchmal an sich hatte, mit den Fingern hindurchgefahren war. Er empfing sie mit allen Zeichen des Vergnügens, etablierte sie in einem Stuhl, schenkte ihr Kaffee ein und gab ihr ein Glas Kirsch.
