Frage: »Ich muß Ihnen einfach sagen, wie gern ich Ihre Bücher lese und wie wunderbar ich sie finde.«

Antwort des nervösen Autors: »Nein, das ist reizend! Wie mich das freut!«

»Wissen Sie, schon seit Monaten lauere ich darauf, Sie kennenzulernen. Es ist einfach wundervoll.«

»Ach, das ist aber reizend von Ihnen. Wirklich reizend.«

Und so weiter. Keiner schien in der Lage zu sein, das Thema zu wechseln. Es mußte sich alles um die eigenen Bücher drehen oder um die der anderen, sofern man sie gelesen hatte. Man zappelte im Netz der Literatur. Manche Leute konnten sich wehren, aber Mrs. Oliver war sich bitter bewußt, daß sie nicht die Fähigkeit dazu besaß. Eine Freundin aus dem Ausland hatte ihr einmal eine Art Vorlesung darüber gehalten.

»Ich habe dir zugehört«, hatte Albertina mit ihrer bezaubernden, leisen, fremdländisch klingenden Stimme gesagt, »was du dem jungen Mann von der Zeitung geantwortet hast, der dich interviewt hat. Du hast keinen Stolz! Nein, du bist nicht stolz auf deine Arbeit! Du müßtest sagen: >jawohl, ich schreibe gut. Ich schreibe besser als irgendwer anders, der Kriminalromane schreibt.<«

»Aber das tue ich nicht«, hatte Mrs. Oliver erwidert. »Ich bin nicht schlecht aber -«

»Ach, sag doch nicht >das tue ich nicht<. Du mußt es behaupten! Sogar wenn du es selbst nicht glaubst, mußt du es sagen.« »Ich wünschte, Albertina«, hatte Mrs. Oliver gemeint, »daß du mit den Journalisten reden könntest. Du bist so geschickt. Könntest du nicht so tun, als seist du ich? Ich verstecke mich hinter der Tür und höre zu.«



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