
»Ich bin keine Anetschka für dich«, unterbrach ihn Anka ziemlich schroff. Sie konnte es nicht leiden, wenn man sie anders nannte als Anka.
Anton konnte sich sehr gut daran erinnern, sie hatte es nicht gern. Er sagte rasch: »Ja, die Vergessene Straße. Da fährt schon ewig keiner mehr drauf. Auf der Karte ist sie auch nicht eingezeichnet, und wohin sie führt, ist völlig unbekannt.«
»Und ihr wart schon dort?«
»Ja. Aber wir haben sie noch nicht erforscht.«
»Eine Straße von irgendwoher nach irgendwohin«, konstatierte Paschka, der seine frühere Sicherheit wiedergefunden hatte. »Das ist gut!« sagte Anka. Ihre Augen wurden zu schwarzen Schlitzen. »Gehen wir. Sind wir bis zum Abend dort?«
»Aber was denn! Um zwölf sind wir dort.«
Sie kletterten das Steilufer hinauf. Als sie ganz oben waren, drehte sich Paschka um. Unten lag der blaue See mit gelblich gefleckten Sandbänken, dann war dort das Boot im Sand und große, auseinandergehende Kreise im ölig glatten Uferwasser – wahrscheinlich sprang dort der Hecht von vorhin. Und der Junge fühlte wie immer jene unbestimmte Freude, wie immer, wenn er mit Toschka aus dem Internat entwischte und vor ihnen ein Tag in völliger Freiheit lag – mit unerforschten Plätzen, mit Erdbeeren, mit sonnenverbrannten, menschenleeren Wiesen, mit Eidechsen und eiskaltem Wasser aus unerwarteten Quellen. Und wie immer war es ihm, als müsse er lauthals schreien und hoch in die Luft springen, was er auch gleich tat. Anton schaute ihm lachend zu. Paschka spürte in seinen Augen volles Verständnis. Anka legte zwei Finger in den Mund und ließ einen lauten Pfiff erschallen. Und dann betraten sie den Wald. Es war ein schütterer Föhrenwald. Die Füße schlitterten über den schlüpfrigen Nadelboden. Die schrägen Sonnenstrahlen fielen zwischen die gerade gewachsenen Stämme, und der Boden war ganz von goldgelben Flecken bedeckt. Es roch nach Harz, Seewasser und Erdbeeren.
