
«In den Zeitungen steht's«, meinte Georgette daher zögernd.»Gewiss. Doch wie es in Wirklichkeit ist, weiß kein Mensch. Die Zeitungen lügen, sagt jeder.»
Das sei ein Irrtum, antwortete Archilochos, die Welt sei im Grunde sittlich, und trank feierlich und gemessen Perrier, als wäre es Champagner.
«Auch Auguste glaubt an die Zeitungen.»
«Nein«, sagte Georgette.»Das weiß ich besser. Auguste glaubt den Zeitungen kein Wort.»
«Nun, glaubt er etwa nicht an die Sportresultate, die in den Zeitungen stehen?»
Dagegen wusste Madame Bieler nichts einzuwenden.
«Tugend ist sichtbar«, fuhr Archilochos fort und reinigte seine randlose, verbogene Brille.»Sie leuchtet auf diesem Gesicht und leuchtet auf dem Gesicht meines Bischofs.»
Damit wandte er sich dem Bildnis zu, das über der Türe hing.
Der Bischof sei etwas sehr dick, protestierte Madame Bieler, der könne doch einfach nicht so tugendhaft sein.
Archilochos war in seinem Glauben nicht zu erschüttern.
«Seine Natur«, entgegnete er.»Wenn er nicht tugendhaft, philosophisch leben würde, wäre er noch dicker. Sehen Sie dagegen Fahrcks an. Wie unbeherrscht, wie unmäßig, wie hochmütig. Sündig in jeder Beziehung. Und eitel.»
Er wies mit dem Daumen über seine rechte Schulter nach dem Bild des berüchtigten Revolutionärs.
Madame Bieler blieb hartnäckig.»Eitel kann man doch nicht sagen«, stellte sie fest,»bei diesem Schnauz und bei diesen wilden Haaren. Und mit seinem sozialen Mitgefühl.»
Das sei nur eine besondere Art der Eitelkeit, behauptete Arnolph.
«Mir unverständlich, dass dieser Verführer hier hängt. Kam doch eben aus dem Gefängnis.»
«Oh, man kann nie wissen«, sagte dann jedesmal Madame Bieler und trank in einem Zug ein Glas Campari aus.»Man kann nie wissen. Auch in der Politik muss man vorsichtig sein.»
