
Menschen. Unfassbare Massen von Menschen. Und alle sahen so – wie hieß das Wort? – so grau, so verwaschen aus. Sie hatten keine eigenen Gesichter, sondern glichen einer dem anderen, wie Kaninchen oder Schafe. Manche schwatzten und lachten. Andere, dicke Männer mittleren Alters, unterhielten sich knurrend, um nicht zu sagen: grunzend wie Schweine. Und sogar die jungen Mädchen, schlanke Geschöpfe mit ovalen Gesichtern und rot geschminkten Lippen, wirkten entsetzlich gleichförmig.
Er dachte plötzlich sehnsüchtig an das weite, offene Grasland zu Hause, an die sonnenwarme, einsame Landschaft…
Doch dann hielt er den Atem an, als er in ein neues Abteil blickte. Dieses Mädchen war anders. Schwarzes Haar, gebräunte, gesunde Haut, Augen, in denen die Tiefe und Dunkelheit der Nacht lag – die schwermütigen, stolzen Augen des Südens. Irgendwie mutete es ganz verkehrt an, dass das Mädchen inmitten dieser grauen Menschen saß und in das nasskalte, graue Mittelengland fuhr. Sie hätte auf einem Balkon sitzen sollen, eine Rose zwischen den Lippen, ein Stück schwarze Spitze um den schönen Kopf geschlungen, und Staub und Hitze hätte sich rings um sie mit Blutgeruch vermischen müssen – die Atmosphäre der Stierkampfarena –, aber in einen englischen Drittklasswagen gehörte sie nie und nimmer.
Er war ein guter Beobachter. Die Ärmlichkeit ihres dünnen schwarzen Mäntelchens, die billige Qualität der Baumwollhandschuhe und der Schuhe entgingen ihm ebenso wenig wie die schäbige Eleganz der feuerroten Handtasche. Trotzdem empfand er ihre Erscheinung als auffallend schön. Sie war hübsch, zart und exotisch.
Was um alles in der Welt tat sie in diesem Land der Nebelschwaden, kalten Winde und emsigen Ameisen?
Ich muss herausbekommen, wer sie ist und was sie hier tut, dächte er. Ich muss es unbedingt wissen.
