
Kapitel 1
Kris Ironside und ich, beide ledig, beide einunddreißig und gelernte Meteorologen mit dem Auftrag, dem Fernseh- und Hörfunkpublikum daheim darzulegen, wie sich die unsichtbaren Schwingungen und Unregelmäßigkeiten in der Atmosphäre praktisch auswirken, hatten zufällig festgestellt, daß sich unsere Urlaubswochen zeitlich überschnitten.
Wir arbeiteten beide für das BBC-Wetterstudio und sagten im Wechsel mit mehreren anderen Kollegen der Nation das gute und das schlechte Wetter voraus. Von morgens früh bis Mitternacht hörte man unsere vertrauten Stimmen, und da unsere Gesichter mal lächelnd, mal ernst in Millionen Haushalte hineinschauten, konnten wir nirgends hingehen, ohne erkannt zu werden.
Kris gefiel das so, und mir hatte es auch einmal gefallen, aber jetzt konnte ich dem schon lange nichts mehr abgewinnen und fand im Gegenteil das unweigerliche Erkanntwerden manchmal richtig ärgerlich.
«Sind Sie nicht…?«
«Der bin ich, ja.«
Ich machte in Ländern Urlaub, wo man mich nicht kannte. Eine Woche Griechenland. Elefanten in der Serengeti. Mit dem Einbaum den Orinoco hinauf. Kleine Abenteuer. Nichts Halsbrecherisches oder was einem den Atem verschlug. Ich führte ein geregeltes Leben.
Kris tippte mit dem Daumen an den Urlaubsplan am Schwarzen Brett. Seine Hand zitterte vor Unwillen.
«Oktober-November!«schimpfte er.»Dabei wollte ich den August haben.«
Das war im Januar gewesen. Den August bekamen vorzugsweise die Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern. Kris hatte nie eine reelle Chance für den August gehabt, aber bei Kris ging das Hoffen häufig über die Vernunft. Mit seiner chaotischen, unberechenbaren Ader — der manischen Seite seines Wesens — war er immer gut für einen Abend in der Kneipe, aber nach acht gemeinsamen Tagen mit ihm am Fuß des Himalaja war ich froh gewesen, wieder nach Hause zu kommen.
