Ich wäre am liebsten gestorben, denn was sollte ich anfangen? Ich hatte meinem Großvater sehr viel angetan, und er würde mich wohl nicht zu-rücknehmen wollen. Nur Ihre Herzensgüte rettete mich dann vor dem Tod. Aber ich kann nicht länger bleiben. Ich muß Sie anekeln, wenn Sie es mir auch nicht zeigen. Sprechen Sie, Amelia, ich bitte Sie! Ich will demütig Ihre Vorwürfe hinnehmen, denn ich habe sie verdient.« Evelyns blaue Augen waren von Tränen verschleiert, als sie geendet hatte, doch sie war ruhig geblieben. Ich schwieg lange, denn ich mußte nachdenken. Mein Schweigen schmerzte das Mädchen, und sie duckte sich zusammen, als erwarte sie einen Schlag. Ich war so verwirrt, daß ich schließlich etwas ganz anderes fragte, als ich hätte fragen wollen.

»Sagen Sie, Evelyn - wie ist es? Ist es angenehm?«

Evelyn war so verblüfft, daß sie mich nur wortlos anstarrte. Ich fuhr deshalb fort: »Sie müssen mir verzeihen, wenn ich Sie ausfrage, doch dazu bot sich mir nie eine Gelegenheit. Man hört so widersprüchliche Dinge. Meine Schwägerinnen flüstern miteinander und sprechen von dem Kreuz, das eine Frau zu tragen habe, aber ich habe auch die Dorfmädchen mit ihren Liebsten gesehen, und sie scheinen kein Kreuz zu tragen. Du lieber Himmel! Ich scheine ja nicht einmal die richtigen Worte zu finden. Verstehen Sie, was ich meine?«

Evelyn starrte mich noch immer an, dann schnitt sie eine merkwürdige Grimasse und schlug die Hände vor das Gesicht. Ihre schmalen Schultern bebten.

»Sie müssen entschuldigen«, bat ich. »Natürlich wollte ich nicht ... Und nun werde ich es nie erfahren ...«

Aber da ließ Evelyn die Hände fallen. Ihr Gesicht war rot und noch tränenfeucht - aber sie lachte! Ich glaubte an einen hysterischen Anfall und hob die Hand.



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