Der Kommandant schwieg.

«Der Mann ist einer der reichsten und bekanntesten Bürger der Stadt«, fuhr Jämmerlin fort.»Es ist unsere heilige Pflicht«(eine seiner Lieblingswendungen),»mit der größten Strenge vorzugehen. Wir müssen jeden Anschein vermeiden, daß wir ihn begünstigen.»

«Es ist unsere heilige Pflicht, unnötige Kosten zu vermeiden«, erklärte der Kommandant ruhig.

«Kein Großalarm?»

«Ich denke nicht daran.»

Der Staatsanwalt starrte auf die Brotschneidemaschine, neben der er stand.»Sie sind mit Kohler befreundet«, meinte er endlich, nicht einmal boshaft, nur routinemäßig und kalt.»Halten Sie es nicht für möglich, daß unter diesen Umständen Ihre Objektivität leiden könnte?»

Stille.»Polizeileutnant Herren«, antwortete der Kommandant gelassen,»wird den Fall Kohler übernehmen.»

So kam es zum Skandal.


Herren war ein Mann der Tat, ehrgeizig und handelte denn auch voreilig. Es gelang ihm, nicht nur innerhalb weniger Minuten die ganze Polizei, sondern auch die Bevölkerung zu alarmieren, indem er im Radio vor den Halbachtuhrnachrichten gerade noch die Sondermeldung der Kantonspolizei lancieren konnte. Der Apparat lief auf vollen Touren. Man fand Kohlers Villa leer (er war Witwer, seine Tochter als Stewardeß der Swissair in Lüften, die Köchin im Kino). Man schloß auf Fluchtabsichten. Funkwagen pirschten durch die Straßen, die Grenzposten wurden benachrichtigt, ausländische Polizei avisiert. Dies alles war vom rein Technischen her nur zu loben, doch stellte man die Möglichkeit außer Frage, die der Kommandant gewittert hatte: man suchte einen Mann, der nicht zu fliehen trachtete. So war denn das Unglück schon geschehen, als man kurz nach acht aus dem Flughafen die Nachricht erhielt, Kohler habe einen englischen Minister zum Flugzeug gebracht und sich dann in seinem Rolls-Royce gemütlich in die Stadt zurückfahren lassen.



12 из 178