
Eine Idee war mir gekommen, eine gewaltige Lösung. Ich fuhr wie im Rausch, wie durch ein Wunder kam ich heil zum Flughafen, blieben andere heil. Doch wollte mir der Personalchef keine Auskunft geben, ließ mich nicht einmal vor. Die Rückkehr ging in gemäßigtem Tempo vor sich, bei einer Kreuzung schrie mir ein Polizist zu, ob ich meinen Wagen durch die Stadt schieben wolle. Ich fühlte mich wieder einmal ausgespielt. Privatdetektiv Lienhard noch einmal mit einer Recherche zu beauftragen war unmöglich, er kostete zuviel und war nun, wie die Dinge standen, wohl auch nicht mehr interessiert, wer schneidet sich gern ins eigene Fleisch. So blieb nichts anderes übrig, als es mit Hélène selbst zu versuchen. Ich rief an. Ausgegangen.»In der Stadt. «Ich gehe aufs Geratewohl los, zu Fuß, denke, die Restaurants abzuklopfen oder die Buchhandlungen, da treffe ich sie, laufe gerade auf sie zu, nur daß sie mit Stüssi-Leupin dasitzt, vor dem >Select<, bei einem Capuccino. Ich sah die beiden erst im letzten Augenblick, stand schon vor ihnen, verwirrt, weil ich nur sie gesucht hatte, und wütend, weil Stüssi-Leupin bei ihr saß, aber was tat es schon, die beiden lagen wohl schon längst im Bett beieinander, das Töchterlein eines Mörders und der Retter ihres Vaters, sie einst meine Geliebte, er einst mein Chef.
«Gestatten, Fräulein Kohler«, sagte ich,»ich möchte Sie einen Augenblick sprechen. Allein.»
Stüssi-Leupin bot ihr eine Zigarette an, steckte sich auch eine in den Mund, gab Feuer.
«Ist es dir recht, Hélène?«fragte er sie. Ich hätte den Staradvokaten niederschlagen können.
«Nein«, antwortete sie, ohne mich anzusehen, nur daß sie die Zigarette niederlegte.»Aber er mag reden.»
«Gut«, sagte ich, zog einen Stuhl herbei, bestellte einen Espresso.
«Was wollen Sie nun, mein verehrtes Justizgenie?«fragte Stüssi-Leupin gemütlich.