Daß ich in diesem Plan eine entscheidende Rolle spielen sollte, ist mein persönliches Pech, wenn ich auch zugebe, von Anfang an Böses geahnt zu haben. Doch muß ich hier etwas über meine Verhältnisse nach dem Prozeß gegen Kohler einfügen. Sie waren schon damals nicht mehr ganz erfreulich. Ich hatte nun doch versucht, mich selbständig zu machen und in der Spiegelgasse über dem Vereinssälchen der Heiligen vom Uetli, einer frommen Sekte, ein Büro bezogen, einen gegen die drei Fenster hin abgeschrägten Raum mit einigen vor einem Möbel-Pfister-Schreibtisch gruppierten Sesseln, mit >Beobachter<-Farbdrucken an den Wänden, über deren Tapete ich lieber schweigen möchte, und mit einem noch nicht funktionierenden Telefon, ein Verschlag, der dadurch entstanden war, daß der Hausbesitzer die Wand zwischen zwei Mansarden hatte niederreißen und eine der beiden Türen hatte zumauern lassen. In der dritten Mansarde hauste der Prediger und Gründer der Uetli-Sekte, Simon Berger, der aussah wie Niklaus von der Flüe und mit dem ich das Klo im Korridor teilte. Zwar lag mein Büro überaus romantisch, Büchner und Lenin hatten in der Nähe gewohnt, und die Aussicht auf die Kamine und Televisionsantennen der Altstadt erweckte Bewunderung, Vertrautheit, heimatliches Kleinstubengefühl und Lust zum Kakteenzüchten, doch war sie für einen Rechtsanwalt denkbar ungeeignet, nicht nur verkehrstechnisch, auch sonst ließ sich die Bude kaum aufstöbern: kein Lift, steile knarrende Treppen, ein Genist von Korridoren. (Nachzutragen: Damals lag dieses Büro ungünstig, hatte ich doch noch Ambitionen, wollte ich doch noch Fuß fassen, vorankommen, ein braver Bürger werden, heute,


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