
«Ist das vorhin nicht der Kohler gewesen?«fragte der Kommandant den noch hilflosen Geschäftsführer, der ihn verstört und bleich anglotzte.
«Jawohl. In der Tat«, murmelte der.
Der Kommandant betrachtete den ermordeten Germanisten nachdenklich, schaute dann finster auf die Platte mit der Rösti und den Bohnen nieder, ließ seinen Blick über die Schüssel mit dem zarten Salat, den Tomaten und Radieschen gleiten.
«Da kann man nichts mehr machen«, sagte er.
«Jawohl. In der Tat.»
Die Gäste, erst wie gebannt, waren aufgesprungen. Hinter der Theke starrten der Koch und das Küchenpersonal herüber. Nur Mock aß ruhig weiter. Ein hagerer Mann drängte sich vor.
«Ich bin Arzt.»
«Rühren Sie ihn nicht an«, befahl der Kommandant ruhig,»wir müssen ihn zuerst mal fotografieren.»
Der Arzt beugte sich zum Professor, befolgte jedoch den Befehl.
«Tatsächlich«, stellte er dann fest.»Tot.»
«Eben«, antwortete der Kommandant ruhig.»Gehen Sie zurück an Ihren Tisch.»
Dann nahm er die Flasche Chambertin vom Tisch.
«Die ist requiriert«, sagte er und reichte sie dem Geschäftsführer.
«Jawohl. In der Tat«, murmelte der.
Darauf ging der Kommandant telefonieren.
Als er zurückkehrte, befand sich der Staatsanwalt Jämmerlin schon bei der Leiche. Er trug einen feierlichen dunklen Anzug. Er beabsichtigte, in der Tonhalle ein Symphoniekonzert zu besuchen, und hatte eben im Französischen Restaurant im ersten Stock zum Nachtisch eine Omelette flambée verzehrt, als er den Schuß hörte. Jämmerlin war unbeliebt. Jedermann sehnte seine Pensionierung herbei, die Dirnen und ihre Konkurrenz vom anderen Lager, die Diebe und Einbrecher, die ungetreuen Prokuristen, die Geschäftsmänner in Schwierigkeiten, aber auch der Justizapparat, von der Polizei bis zu den Anwälten, ja selbst seine Kollegen ließen ihn im Stich.
