Eva-Lotte warf noch einmal den Kopf zurück. Sie hatte es nicht nötig, hier zu stehen und sich Bosheiten von jemand anzuhören, den sie nicht kannte.

»Wer sind Sie denn?« fragte sie.

»Wer ich bin? Ich bin Onkel Einar, ein Vetter deiner Mutter, meine schöne junge Dame!« Er zog Eva-Lotte an einer ihrer blonden Locken. »Und wie heißen deine Kavaliere?«

Eva-Lotte stellte Anders und Kalle vor, und ein dunkler und ein blonder Schopf Schossen mit einer tadellosen Verbeugung nach vorn.

»Nette Jungen«, sagte Onkel Einar billigend. »Aber heirate sie nicht! Heirate lieber mich«, fuhr er fort und stieß ein wieherndes Gelächter aus. »Ich werde ein Schloß für dich bauen, wo du den ganzen Tag umherlaufen und spielen kannst.«

»Sie sind ja viel zu alt für mich«, sagte Eva-Lotte recht naseweis.

Anders und Kalle fühlten sich etwas beiseite geschoben. Was war das nur für ein langes, klappriges Stück Unglück, das plötzlich hier auftauchte?

Personalbeschreibung – wollen mal sehen, sagte Kalle für sich.

Aus Prinzip merkte er sich das Aussehen aller unbekannten Personen, die ihm in den Weg kamen. Wer weiß, wie viele von ihnen wirklich anständige Menschen waren! Personalbeschreibung: braunes, hochgestrichenes Haar, braune Augen, zusammenge-wachsene Augenbrauen, gerade Nase, leicht vorstehende Zähne, kräftiges Kinn, grauer Anzug, braune Schuhe, kein Hut, brauner Reisekoffer, nennt sich Onkel Einar. Das war wohl alles. Nein –er hatte ja eine kleine rote Narbe auf der rechten Wange. Kalle merkte sich alle Einzelheiten.

»Ist deine Mutter zu Hause, Jungfer Naseweis?« fragte Onkel Einar.

»Ja, da kommt sie.«

Eva-Lotte zeigte auf eine Dame, die gerade durch den Garten kam. Sie hatte die gleichen lustigen blauen Augen und das gleiche blonde Haar wie Eva-Lotte.



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