
Lieutenant Miller war ein Mann in mittleren Jahren. Er sahbekümmert aus, hatte ein von Wind und Wetter gegerbtes Gesicht und schien sich in seiner Rolle äußerst unwohl zu fühlen.»Tut mir leid, daß ich Sie nicht vom Flughafen abholen konnte«, sagte er zu Tracy,»aber die ganze Stadt ist zur Zeit übergeschnappt. Wir haben die Sachen Ihrer Mutter durchgesehen, und Sie waren die einzige, die wir anrufen konnten.«
«Bitte, Lieutenant, bitten sagen Sie mir, was… was meiner Mutter passiert ist.«
«Sie hat Selbstmordbegangen.«
Ein kalter Schauer überlief Tracy.»Aber das ist doch unmöglich! Warum sollte sie sich umbringen? Sie hatte doch allen Grund zu leben!«Tracys Stimme klang verzweifelt.
«Sie hat einen Abschiedsbrief hinterlassen. Er ist an Sie gerichtet.«
Das Leichenschauhaus war kalt und neutral und erschreckend. Tracy wurde durch einen langen weißen Korridor in einen großen, sterilen Raum geführt.
Ein Mann im weißen Kittel schlenderte zur nächsten Wand, streckte die Hand nach einem Griff aus und zog eine überdimensionale Schublade auf.»Wollen Sie mal schauen?«
Nein! Ich mag den leeren, leblosen Körper nicht in diesem Kasten liegen sehen. Tracy wollte nur eines: fort. Ein paar Stunden zurück in die Vergangenheit, zurück zum Klingeln der Glocken. Und es soll ein richtiger Feueralarm sein, nicht das Telefon, nicht die Nachricht vom Tod meiner Mutter. Tracybewegte sich langsam vorwärts. Jeder Schritt war ein stummer Schrei. Dannblickte sie auf die leblose Hülle nieder, die sie ausgetragen, gestillt und genährt, mit ihr gelacht und sie geliebt hatte. Siebeugte sich herabund küßte ihre Mutter auf die Wange, die kalt war und sich gummiartig anfühlte.»Oh, Mutter«, flüsterte Tracy.»Warum? Warum hast du das getan?«
