
Es schien unglaublich, daß ungeordnete Männerbanden zu Armeen zusammengeschweißt werden konnten. Armeen, die stark und schlagkräftig genug waren, um einige der besten Truppen Englands außer Gefecht zu setzen. Aber wie die meisten seiner Kameraden hatte Bolitho fest geglaubt, daß die Streitigkeiten durch einen Kompromiß beigelegt werden könnten. Das war vor sechs Monaten, im Oktober 1777, als die Nachricht von der Übergabe Burgoynes über die Briten hereinbrach. Über Nacht, so schien es, hatte sich die Rebellion zu einem neuen, bösartigen Konflikt ausgeweitet. Die Engländer standen in ihren weit verstreuten Stützpunkten amerikanischen Revolutionsarmeen gegenüber, die durch eine ganze Flotte französischer und spanischer Kaperschiffe Rückendeckung erhielten. Ohne beträchtliches Risiko konnte kein Nachschubschiff mehr allein segeln. Sogar Truppentransporte waren nicht mehr vor den Freibeutern sicher.
In dieser Zeit wechselnder Angriffs- und Rückzugsgefechte war die Veränderung in Bolithos Leben eingetreten. Die Trojan hatte vor der Küste Puerto Ricos eine hübsche Brigg gejagt, deren Laderäume mit Konterbande und Schießpulver für die Amerikaner vollgestopft waren. Zwischen zwei langgestreckten Sandbänken gefangen und durch die beeindruckende Artillerie der Trojan bedroht, hatte sich der Kapitän zur Übergabe entschlossen.
Der Erste Offizier der Trojan wurde auf seinem eigenen Schiff dringend gebraucht, da die meisten anderen Offiziere erst kürzlich an Bord kommandiert worden waren und nur wenig Erfahrung besaßen. So traf Bolitho das Los, die Prise zu übernehmen mit dem Befehl, die Beute nach Antigua zu segeln und dort neue Instruktionen abzuwarten. Es war wie der Anfang eines schier unmöglich erscheinenden Traumes. Aufregende Erlebnisse, die Freiheit, nach eigenen Entschlüssen zu handeln und zu segeln, ohne daß ihn sein Kapitän beobachten konnte. Die kleine Brigg schien ihm grenzenlose Möglichkeiten anzubieten, wenn er auch wußte, daß all dies nicht ewig dauern würde.
