
Arkadi und Boris Strugazki
Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang
Phantastische ErzälungArkadi und Boris Strugazki
Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang
Eine unter seltsamen Umständen aufgefundene Handschrift
Aus dem Russischen von Welta Ehlert
Verlag Volk und Welt Berlin
›Volk und Welt Spektrum‹
1. Auflage
© Verlag Volk und Welt, Berlin 1980
Erstes Kapitel
1. …weiße Juliglut, wie es sie seit zweihundert Jahren nicht mehr gegeben hatte, peinigte die Stadt. Über den erhitzten Dächern flimmerte es, alle Fenster standen sperrangelweit offen, und die Muttchen auf den Bänken vor den Haustoren schwitzten sich im kümmerlichen Schatten der abgekämpften Bäume die Seele aus dem Leib. Die Sonne überschritt den Meridian und durch glühte die vielgeplagten Buchrücken, knallte auf die verglasten Regale und polierten Schranktüren, und heiße, bösartige Reflexe gleißten auf den Tapeten. Immer näher rückte die quälende Nachmittagshitze, und nicht mehr fern war die Stunde, wo die rasende Sonne über dem gegenüberliegenden zwölfgeschossigen Punkthaus Stellung beziehen und ungehindert die ganze Wohnung befeuern würde. Maljanow schloss beide Fensterflügel und zog die schwere gelbe Gardine zu. Lüpfte die Turnhose und tapste barfuss in die Küche, wo er die Balkontür öffnete.
Es war kurz nach zwei.
Auf dem Küchentisch prangte, von Bröseln umrahmt, ein Stilleben: Pfanne mit angebackenem Spiegeleirand, Teeglas mit Rest und angeknabberter Brotranft mit Spuren zerlaufener Butter. Im Spülbecken türmte sich schmutziges Geschirr. Abgewaschen war ewig nicht.
Ein Dielenbrett knarrte, und völlig durchgedreht vor Hitze tauchte Kaljam auf, fixierte Maljanow mit grünäugigem Blick, öffnete und schloss lautlos den Mund. Ging schwanzzuckend weiter, zu seinem Futternapf unter dem Herd. Der Napf war leer — wenn man von ein paar trockenen Fischgräten absah.
