
»Warte nur, bis Miranda sieht, was du mit ihrem Garten angestellt hast. Nicht eine einzige Tulpenzwiebel ist ihr geblieben, Pewter. Und alles bloß, weil du letzte Woche gedacht hast, da ist ein Maulwurf drin.«
»Ihre Tulpen waren krank. Ich hab ihr 'ne Menge Ärger erspart.« Sie machte eine kurze Pause.»Und ich hab das Loch sogar mit Mulch zugedeckt. Sie merkt es frühestens in ein, zwei Monaten. Wer weiß, wann der Frühling kommt?«
»Wann der Frühling kommt, weiß ich nicht, aber Mim, die Mächtige, kommt jetzt.« Tucker stand auf den Hinterbeinen und sah aus dem Fenster.
Mim Sanburne, die tonangebende und reichste Bürgerin der Stadt, schloß die Tür ihres Bentley Turbo und trat, ganz vorsichtig, weil große Flächen Mittelvirginias von einer Eisschicht bedeckt waren, auf den geräumten Gehweg, der zum Postamt führte.
Eigenartig, daß Mim einen Bentley fuhr, war sie doch in Virginia geboren und aufgewachsen, wo ihre Familie schon seit Anfang des 17. Jahrhunderts ansässig war. Ein so auffälliges Auto wie einen Bentley zu fahren überschritt die Grenzen des Schicklichen. Nur ein Rolls-Royce wäre noch schlimmer. Und Mim protzte nicht mit ihrem Reichtum. Miranda, die Mim zeit ihres Lebens kannte, mutmaßte, daß es sich hier um eine stumme Rebellion ihrer Freundin handelte. Als sie beide in die Sechziger kamen, was sie natürlich nicht an die große Glocke hängten, war dies Mims Aufruf an die Jugend: Platz da!
Und die Leute machten ihr Platz.
Mary Minor »Harry« Haristeen lächelte, als Mim die Tür aufstieß. »Guten Morgen.«
»Guten Morgen, Harry. Hatten Sie heute auf der Fahrt hierher Probleme?«
»Als ich die Zufahrt hinter mir hatte, ging's ganz gut. Die Straßen sind geräumt.«
»Mich hast du nicht gefragt, ob ich welche hatte.« Miranda trat an den Schalter, der das Postpersonal von den Kunden trennte. Da sie gleich hinter dem Postamt wohnte - nur eine Gasse lag dazwischen - , war sie zu Fuß zur Arbeit gerutscht und geschlittert.
