
Alexander Kent
Nahkampf der Giganten
Flaggkapitän Bolitho bei der Blockade Frankreichs
Der Schlacht Getös' bannt Schiff an Schiff, und in den Lüften heult der Tod. Doch hält ihn Tag mit festem Griff, und Nacht schützt ihn vor Sterbensnot.
I Die alte Hyperion
Die Fregatte Harvester, vor neun Tagen von Spithead ausgelaufen, drehte elegant in die leichte, ablandige Brise und ließ den Anker fallen. Das Echo ihrer Salutschüsse rollte wie ferner Donner von der hohen Wand des ewigen, immer gleichen Felsens von Gibraltar zurück. Ihr junger Kapitän blickte noch einen Moment von der Höhe des Achterdecks auf das von Matrosen wimmelnde Hauptdeck: von den scharfen Kommandos und gelegentlich auch mal vom Rippenstoß eines ungeduldigen Deckoffiziers angetrieben, schwangen die Männer die Boote aus. Das Einlaufen in einen Hafen war jedesmal ein kniffliges, spannungsreiches Manöver; der Kapitän war keineswegs der einzige an Bord, der genau wußte, daß auf den in geringer Entfernung vor Anker liegenden großen Linienschiffen, dessen mächtigstes die Konteradmiralsflagge im Vortopp führte, schon mehrere Teleskope höchst kritisch auf sein kleines Schiff gerichtet waren.
Mit einem letzten Blick schritt er nach achtern und kreuzte nach Steuerbord hinüber, wo ein hochgewachsener, schlanker Mann einsam an den Finknetzen lehnte.
«Soll ich nach einem Boot signalisieren, Sir? Oder genügt Ihnen eins von meinen?»
Kapitän Richard Bolitho riß sich aus seinen Gedanken und wandte sich dem Kapitän der Fregatte zu.
«Danke, Captain Leach; ich nehme Ihr Boot. Das geht schneller. «Er glaubte, eine Spur von Erleichterung in den Augen des Mannes zu sehen; es war ihm klar, daß es für einen so jungen Kommandanten, der noch nicht einmal planmäßiger Fregattenkapitän war, keineswegs angenehm gewesen sein mochte, ihn als Passagier an Bord zu haben.
