Richard Bolitho schob die Papiere auf seinem Tisch etwas beiseite und lehnte sich zurück, um die Augen auszuruhen. Er blickte auf seine Taschenuhr und merkte überrascht, daß er fast sechs Stunden lang pausenlos über den Schiffsbüchern und Berichten gebrütet hatte, wobei sich sein geschäftiger Geist die ganze Zeit der Geräusche draußen und oben an Deck bewußt gewesen war. Mehr als einmal war er versucht gewesen, seine konzentrierte Arbeit zu unterbrechen und in die Sonne hinauszugehen, sei es auch nur, um sich zu überzeugen, daß der Bordbetrieb normal ablief; aber jedesmal hatte er sich dazu gezwungen, sitzenzubleiben und mit dem Studium der Schiffsangelegenheiten fortzufahren.

Zeit und Erfahrung würden ihm zeigen, wo die wirklichen Stärken und Schwächen seines neuen Schiffes lagen; schon in diesen paar Arbeitsstunden in seinem Quartier hatte er sich im Geiste ein brauchbares Bild gemacht. Nach allem, was er gelesen und überprüft hatte, schien die Hyperion unter dem verstorbenen Kommandanten Turner das normalste Schiff gewesen zu sein, das man sich nur vorstellen konnte. Das Strafbuch, das sich Bolitho zuerst angesehen hatte — seiner Erfahrung nach der sicherste Maßstab für einen Kapitän und seine Schiffsführung —, wies die übliche Liste kleiner Vergehen auf; Auspeitschungen und Degradierungen gab es nicht mehr, als normalerweise zu erwarten waren. Während der Stationierung in Westindien hatte es mehrere Todesfälle durch Fieber und Unfälle gegeben (meist auf Unvorsichtigkeit zurückzuführen). Auch die Logbücher wiesen nichts Besonderes auf.

Stirnrunzelnd lehnte sich Bolitho noch weiter im Stuhl zurück. Das war alles so normal, sogar langweilig für ein Schiff mit der kriegerischen Vergangenheit der Hyperion, daß es den Eindruck einer gewissen Lässigkeit machte.

Wieder sah er sich in seinem neuen Quartier um, als wolle er sich ein schwaches Abbild des früheren Bewohners verschaffen.



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