Es waren nur ein paar erklärende Worte, aber was bedeuteten sie nicht alles für Bolitho; auch Alldays Anblick war eine ständige Erin- nerung. Die Seeschlacht bei den Saintes, sein Dienst auf der Fregatte Phalarope, all das lag jetzt elf Jahre zurück; und wieder war England im Krieg.

Nachdenklich blickte Leach in Bolithos ernstes Gesicht. Während der ganzen ereignislosen Reise von Spithead bis Gibraltar hatte er das Bedürfnis empfunden, ihm menschlich näherzukommen, aber irgend etwas hatte ihn davon abgehalten. Er hatte schon viele Passagiere nach Gibraltar gebracht: Garnisonsoffiziere, Kuriere, Ersatz für Verunglückte oder Gefallene, denn der Krieg expandierte bereits nach allen Richtungen. Normalerweise war diese Aufgabe eine ganz nette Abwechslung im täglichen Einerlei. Aber etwas an Bolithos leidenschaftsloser, fast zurückgezogener Art hatte einen näheren Kontakt verhindert. Jetzt betrachtete er Bolitho mit einer Mischung aus Interesse und Neid. Bolitho war ein Kapitän von höherem Dienstalter und im Begriff, einen neuen Abschnitt seiner Karriere zu beginnen; wenn er auch nur etwas Glück hatte, würde er in ein paar Jahren, vielleicht schon in Monaten, auf der Anwärterliste für den Admiralsrang stehen.

Nach dem, was Bolitho soeben gesagt hatte, mußte er Mitte oder Ende der Dreißig sein. Er war groß und so schlank, daß er überraschend jugendlich wirkte, und wenn er lächelte, wirkte auch sein Gesicht jünger. Es hieß, Bolitho sei zwischen den Kriegen mehrere Jahre in der Südsee stationiert gewesen, hätte sich dort ein schlimmes Fieber geholt und sei als schwerkranker Mann zurückgekommen. Das konnte stimmen, dachte Leach. Da waren die tiefen, scharfen Linien um Bolithos Mund, und unter der gleichmäßigen Bräune wies seine Haut an den Backenknochen und unter den Augen jene Transparenz auf, die für eine solche Krankheit charakteristisch war. Aber das in den Nacken zurückgekämmte Haar war schwarz, ohne den geringsten Schimmer von Grau; und mit der einzelnen Strähne über seinem rechten Auge sah er aus wie ein Draufgänger, der sich ständig im Zaum halten mußte.



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