Es war ja Dumas auch nicht darum zu tun, ein Werk zu liefern, das den Ansprüchen gelehrter Kritiker genügen könne, sein Buch ist wie ein wehmütiger Sehnsuchtsseufzer des französischen Volles nach der entschwundenen Herrlichkeit der ruhm- und glanzvollen Kaiserzeit und nach dem Manne, der nicht nur die Massen, sondern auch die erlesenen Geister — und zwar keineswegs nur solche in Frankreich — in seinen Bann zwang. Gerade hierdurch erhält nun diese mit allen Vorzügen Dumasscher Darstellungskunst ausgestattete Biographie ihren besonderen historischen und kulturhistorischen Wert, und der Verlag verdient Anerkennung dafür, daß er in der napoleonischen Zentenarzeit auch diesen in Vergessenheit geratenen Zeugen hat auferstehen lassen.

Der Übersetzer hat sich gestattet, hin und wieder, wo Dumas' Zahlen, Daten usw. mit den Ermittelungen neuerer Forschung zu sehr auseinanderklaffen, zu verbessern oder eine berichtigende Anmerkung einzufügen. Dumas ist zumeist Napoleons eigenen Angaben über die Stärke- und Verlustziffern der einzelnen Schlachten gefolgt, Napoleon aber betrachtete seine Berichte nur wie jedes andere Rüstzeug als Mittel zur Erreichung weiterer Erfolge, er, der mit unübertroffener Meisterschaft und Unbedenklichkeit dem Talleyrandschen Ausspruch gemäß handelte, die Worte seien nicht da, den Willen auszudrücken, sondern zu verhüllen — er, der selbst das Wort geprägt hat:»Die Lüge, einmal geboren, stirbt nicht.«

Napoleon Bonaparte

Am 15. August 1769 wurde zu Ajaccio ein Kind geboren, das von seinen Eltern den Namen Bonaparte, vom Himmel den Namen Napoleon erhielt.

Die ersten Tage seiner Jugend verflossen inmitten der fieberhaften Gährung, wie sie auf Revolutionen zu folgen pflegt.



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