
Kurz, ich lerne Technik, Theorie und Prinzip, nur das, was ich unbedingt lernen möchte, lerne ich nicht: Wie man den Geist sprengt, um den Klang hervorzubringen.
Achtzehn Monate harre ich bei Miss Rosemary Orr aus, aber bald werde ich der seelenlosen Übungen müde, die meine Zeit auffressen. Was ich damals auf dem Platz hörte, war nicht das Produkt seelenloser Übungen, und ich bäume mich heftig dagegen auf, ihnen unterworfen zu werden.
Ich höre, wie Miss Orr dies meinem Vater gegenüber entschuldigt: »Er ist ja doch noch sehr klein. Es war eigentlich zu erwarten, dass in diesem Alter das Interesse nicht allzu lange anhalten würde.« Aber mein Vater - der sich zu dieser Zeit bereits einen zweiten Arbeitsplatz gesucht hatte, um der Familie das Zuhause am Kensington Square erhalten zu können - hat den Unterrichtsstunden, die dreimal wöchentlich stattfinden, nie beigewohnt und daher auch nie Gelegenheit gehabt, zu erleben, wie diese Art des Unterrichts der Musik, die ich liebe, alles Leben entzieht.
Dafür ist mein Großvater, der in diesen anderthalb Jahren nicht einen seiner »Episoden« genannten Anfälle hat, die ganze Zeit dabei. Er bringt mich regelmäßig zu den Stunden und hört, in einer Ecke des Zimmer sitzend, den Übungen zu. Mit scharfem Blick und einer Seele, die nach Paganini dürstet, registriert er Form und Inhalt des Unterrichts und gelangt zu der Überzeugung, dass die wunderbare Begabung seines Enkels von der wohlmeinenden Rosemary Orr niedergehalten, aber nicht gefördert wird.
»Er möchte Musik machen, verdammt noch mal!«, brüllt
Großvater meinen Vater an, als sie die Situation besprechen. »Der Junge ist ein Künstler, Dick! Wenn du nicht fähig bist, das zu erkennen, dann besitzt du noch weniger Verstand, als ich bisher glaubte. Würdest du ein Rassepferd aus dem Schweinetrog füttern? Wohl kaum, Richard!«
