
Es ist angenehm, Ihnen zuzuhören, Dr. Rose. Eine Stimme wie Samt. Ich hätte gleich, als Sie das erste Mal den Mund aufmachten, kehrtmachen und wieder gehen sollen. Ich tat es nicht, weil Sie mich mit diesem Quatsch, dieser Bemerkung: »Ich trage Schwarz, weil mein Mann vor kurzem gestorben ist«, sehr geschickt manipulierten und zu bleiben bewogen. Sie legten es darauf an, mein Mitgefühl zu wecken, nicht wahr? Stellen Sie eine Verbindung zu dem Patienten her, hat man Sie gelehrt. Gewinnen Sie sein Vertrauen, damit er beeinflussbar ist.
Wo ist Dr. Rose?, frage ich beim Eintritt in das Sprechzimmer.
Sie sagen: Ich bin Dr. Rose. Dr. Alison Rose. Vielleicht haben Sie meinen Vater erwartet? Er hat vor acht Monaten einen Schlaganfall erlitten und befindet sich jetzt in der Rekonvaleszenz, aber es wird noch eine Weile dauern, bevor er wieder hergestellt ist, darum kann er im Moment keine Patienten sehen. Ich habe seine Praxis übernommen.
Und Sie plaudern munter drauflos: Wie es zu Ihrer Rückkehr nach London kam; wie sehr Sie Boston vermissen; dass es dennoch so das Beste sei, weil die Erinnerungen dort zu schmerzlich gewesen seien. Die
Erinnerungen an ihn, Ihren Ehemann. Sie gehen sogar so weit, seinen Namen zu nennen: Tim Freeman. Und seine Krankheit: Darmkrebs. Und Sie sagen mir, welches Alter er hatte, als er starb: siebenunddreißig Jahre. Sie berichten, dass Sie den Gedanken an Kinder zunächst auf Eis gelegt hatten, weil Sie bei Ihrer Heirat noch studierten, und dass später, als es Zeit wurde, an Nachwuchs zu denken, für ein Kind kein Platz mehr war, da Sie beide, er und Sie, um sein Leben kämpften.
Sie taten mir Leid, Dr. Rose, und darum blieb ich. Das Resultat ist, dass ich jetzt hier an meinem Fenster mit Blick auf den Chalcot Square sitze und schreibe.
