Diese Ortung war keineswegs ungewöhnlich, denn viele Asteroide wanderten bis über den Saturn hinaus und kehrten dann wieder in Richtung auf ihre ferne Herrin, die Sonne, zurück. Und Thule II, der am weitesten von allen hinausstreunte, wanderte so dicht bei Uranus, daß er sehr leicht ein verlorengegangener Mond dieses Planeten sein konnte.

Ein Novum war allerdings ein erster Radarkontakt über eine derartige Entfernung; es war klar, 31/439 mußte ungewöhnlich groß sein.

Aus der Echostärke folgerten die Computer einen Durchmesser von mindestens vierzig Kilometern, einen solchen Giganten hatte man seit 13 hundert Jahren nicht entdeckt. Daß man ihn so lange übersehen hatte, schien unglaublich.

Dann berechnete man die Umlaufbahn und fand des Rätsels Lösung — nur um auf ein noch größeres Problem zu stoßen. 31/439 bewegte sich nicht auf einer normalen Asteroidenbahn, auf einer Ellipse, die mit der Präzision eines Uhrwerks alle paar Jahre umlaufen wird. Er war ein einsamer Wanderer zwischen den Sternen, der dem Sonnensystem seinen ersten und zugleich letzten Besuch abstattete, denn er bewegte sich so schnell, daß das Gravitationsfeld der Sonne ihn nie würde einfangen können.

31/439 würde blitzschnell an den Umlaufbahnen von Jupiter, Mars, Erde, Venus und Merkur vorbei mit wachsender Geschwindigkeit auf die Sonne zustoßen, sie umkreisen und wieder in unbekannte Fernen hinausschießen.

In diesem Stadium der Überlegungen blinkten die Computer ihr „He, hallo! Wir haben was Interessantes entdeckt“, und damit erregte 31/439 erstmalig das Interesse der Forscher.

Im SPACEGUARD-Hauptquartier schlugen kurzfristig die Wellen der Erregung hoch, und man würdigte den Wanderer zwischen den Sternen rasch eines Namens statt der bloßen Nummer.

Schon seit langem hatten die Astronomen das Namenreservoir der griechischen und rö14 mischen Mythologie ausgeschöpft; jetzt arbeiteten sie sich durch den hinduistischen Götterhimmel hindurch. Und so wurde 31/439 ›Rama‹ getauft.



4 из 259