Die Erde brauchte nur ein paar Millionen Kilometer auf die Sonne zuzutreiben — oder von der Sonne fort —, und ihr empfindliches klimatisches Gleichgewicht würde zerstört sein. Die Eiskappe der Antarktis konnte schmelzen und alles tiefliegende Land überfluten; oder die Ozeane konnten zufrieren, und die gesamte Erde konnte in einem ewigen Winter festsitzen. Ein unmerklicher Anstoß in eine von beiden Richtungen wäre ausreichend… Dr. Stenton löste sich aus seiner Verkrampfung und stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. Das war ja alles Unsinn. Eigentlich müßte er vor Scham über sich selbst erröten.

Denn Rama konnte ja auf gar keinen Fall aus flüssiger Materie bestehen. Keine Masse von Sternengröße würde so tief in das Sonnensystem eindringen können, ohne Störungen hervorzurufen, die ihre Anwesenheit längst hätten verraten müssen. Die Umlaufbahnen aller Planeten wären beeinflußt worden; schließlich hatte man gerade dadurch Neptun, Pluto und Persephone entdecken können. Nein, es war völlig ausgeschlossen, daß ein Objekt von der Größe und Masse einer toten Sonne sich unbemerkt einschleichen konnte.

Einerseits war das ja schade. Eine Begegnung mit einem Dunkelstern wäre höchst aufregend gewesen.

Solange sie gedauert hätte…

3. KAPITEL

RAMA UND SITA

Die außerordentliche Konferenz des Space Advisory Council verlief stürmisch und war sehr kurz. Selbst im zweiundzwanzigsten Jahrhundert hatte man bisher noch keinen Weg gefunden, zu verhindern, daß vergreiste konservative Wissenschaftler in den entscheidenden Verwaltungspositionen saßen. Und es stand effektiv zu bezweifeln, ob man das Problem jemals lösen würde.

Was die Sache noch schlimmer machte: Professor (Emeritus) Olaf Davidson, der renommierte Astrophysiker, hatte diesmal den Vorsitz des Beratergremiums der Raumfahrt SAC inne.



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