
Partridge saß auf dem Metalltreppchen vor dem Übertragungswagen und gab seinem Text den letzten Schliff. Er sprach sich nur kurz mit Minh und dem Tontechniker ab und nahm dann seinen Kommentar auf.
Unter Berücksichtigung der Einleitung des Nachrichtensprechers, die in New York geschrieben und die wichtigsten Fakten des Unglücks bringen würde, begann Partridge:
»Die Piloten eines längst vergangenen Krieges nannten es Landung mit einem Flügel und einem Gebet<. Es gab sogar ein Lied darüber... Was heute passiert ist, wird wohl kaum jemand in einem Lied verewigen.
Der Airbus der Muskegon Airlines war nur noch sechzig Meilen von Dallas-Fort Worth entfernt... beinahe voll besetzt... aus Chicago kommend... als es zur Kollision kam...«
Wie immer, wenn ein erfahrener Korrespondent für die Fernsehnachrichten textete, hatte auch Partridge »leicht von den Bildern weg« geschrieben. Es war eine sehr spezielle, schwer zu erlernende Kunstform, die einige Reporter nie ganz meisterten. Auch unter professionellen Schreibern erhielt dieses Talent nie die Anerkennung, die es eigentlich verdiente, weil die Texte immer nur als Begleitung zu Bildern geschrieben und selten für sich gelesen wurden.
Der Trick, wie Harry Partridge und einige andere wußten, lag darin, eben nicht die Bilder zu beschreiben. Der Zuschauer sah ja auf seinem Bildschirm, was passierte, und brauchte dazu keine Erklärung. Und doch durften die gesprochenen Worte nicht so weit von den Bildern entfernt ein, daß sie das Bewußtsein des Zuschauers sozusagen spalteten. Es war ein literarischer Balanceakt, und viel davon war Instinkt.
