
Er fuhr fort: »Heute zu behaupten, wir seien näher am Sieg, heißt doch nur... den Optimisten zu glauben, die sich bereits in der Vergangenheit geirrt haben.« Deshalb, so drängte Cronkite, sollte Amerika »verhandeln, aber nicht als Sieger, sondern als anständiges Volk, das sein Versprechen, die Demokratie zu verteidigen, erfüllt hat und dabei sein Bestes gab.«
Wegen seines Verfassers hatte dieser stark persönlich gefärbte Kommentar, der übrigens mit reinen Faktenmeldungen vermischt war, eine enorme Wirkung und gab »der Antikriegsbewegung Auftrieb und Legitimation«, wie es ein anderer Kommentator formulierte. Präsident Lyndon Johnson soll angeblich gesagt haben, wenn er Walter Cronkite verloren hätte, dann hätte er auch das Land verloren.
Partridge gelang es nun durch eine Reihe von Interviews mit Leuten vor Ort in seinem Bericht anzudeuten, daß sich Cronkite nicht nur getäuscht haben könnte, sondern daß er, im Bewußtsein seiner Macht und seines Einflusses als Chefsprecher von CBS, aufgetreten sei »wie ein Präsident ohne Wählervotum und unter Mißachtung seiner lautstark propagierten Maxime des unparteiischen Journalismus« - so einer der Interviewten.
Als Partridges Bericht in New York eintraf, wurde zunächst stundenlang darüber diskutiert. Er machte die Runde bis in die höchsten Ebenen des CBA-Managements, bis man schließlich zu der Entscheidung kam, daß ein Angriff auf die nationale Vaterfigur Walter Cronkite ein Spiel sei, das man nicht gewinnen könne. Doch in Insiderkreisen fanden heimlich gezogene Kopien des Berichts große Verbreitung.
Partridges Ausflüge in heftig umkämpfte Gebiete hielten ihn häufig eine Woche, manchmal sogar länger, von Saigon entfernt. Während seiner Recherchen über den kambodschanischen Untergrund blieb er sogar fast einen Monat verschwunden.
