
Flußaufwärts sieht man von hier die bewachsenen Auen in ihrer ganzen perspektivischen Schönheit.
Unterwärts am gegenseitigen Ufer Bingen, weiter hinabwärts den Mäuseturm im Flusse.
Von Bingen heraufwärts erstreckt sich, nahe am Strom, ein Hügel gegen das obere flache Land.
Er läßt sich als Vorgebirg in den alten höheren Wassern denken.
An seinem östlichen Ende sieht man eine Kapelle, dem heiligen Rochus gewidmet, welche soeben vom Kriegsverderben wieder hergestellt wird.
An einer Seite stehen noch die Rüststangen; dem ohngeachtet aber soll morgen das Fest gefeiert werden.
Man glaubte, wir seien deshalb hergekommen, und verspricht uns viel Freude.
Und so vernahmen wir denn: daß während den Kriegszeiten, zu großer Betrübnis der Gegend, dieses Gotteshaus entweiht und verwüstet worden.
Zwar nicht gerade aus Willkür und Mutwillen, sondern weil hier ein vorteilhafter Posten die ganze Gegend überschaute und einen Teil derselben beherrschte.
Und so war das Gebäude denn aller gottesdienstlichen Erfordernisse, ja aller Zierden beraunt, durch Biwaks angeschmaucht und verunreinigt, ja durch Pferdestallung geschändet.
Deswegen aber sank der Glaube nicht an den Heiligen, welcher die Pest und ansteckende Krankheiten von Gelobenden abwendet.
Freilich war an Wallfahrten hieher nicht zu denken; denn der Feind, argwöhnisch und vorsichtig, verbot alle Fromme Auf- und Umzüge als gefährliche Zusammenkünfte, Gemeinsinn befördernd und Verschwörungen begünstigend.
Seit vierundzwanzig Jahren konnte daher dort oben kein Fest gefeiert werden.
Doch wurden benachbarte Gläubige, welche von den Vorteilen örtlicher Wallfahrt sich überzeugt fühlten, durch große Not gedrängt, das Äußerste zu versuchen.
Hiervon erzählen die Rüdesheimer folgendes merkwürdige Beispiel.
In tiefer Winternacht erblickten sie einen Fackelzug, der sich ganz unerwartet, von Bingen aus, den Hügel hinauf bewegte, endlich um die Kapelle versammelte, dort, wie man vermuten können, seine Andacht verrichtete.
