
Die Tinte war natürlich längst verhärtet.
»Wie haben sie das angefangen?«
»Mit Wasser, wie Sie sich leicht denken könnten, wenn Sie in der Kunst des Schreibens nur einigermaßen bewandert wären. Wenn man die Feder in heißem Wasser einweicht, wird sie so weich wie neu, ja noch viel weicher. Und gießt man heißes Wasser in das Faß, so bekommt man eine vollständig neue und außerordentlich gute Tinte. Da mein Haus einen lebhaften Zuspruch hat und jeder Gast sich hier eintragen muß, so wird bei mir ungewöhnlich viel geschrieben; ich darf also nicht verschwenderisch mit Tinte und Feder umgehen. Da Sie des Schreibens unkundig zu sein scheinen, so will ich den Eintrag für Sie vornehmen.«
»Thun Sie das, Sennor; ich bitte sehr darum. Sie nehmen mir damit eine große Last von der Seele.«
»Sehr wohl! Es kann nicht jeder ein Gelehrter sein. Es soll sofort geschehen; ich will mir vorher erst heißes Wasser machen.«
Er ging an das Büffett. Ich sah, daß er Spiritus oder gar Rum in eine Lampe goß, denselben anbrannte und ein blechernes Gefäß über die Flamme hielt. Er hatte aus weiser Sparsamkeit seine Gäste zehn Jahre lang gezwungen, sich dieser Tinte und Feder zu bedienen, und dabei, ebenso aus weiser Sparsamkeit, jedesmal für einen Groschen Spiritus verbrannt! Es dauerte wenigstens eine Viertelstunde, bis das Wasser kochte; solange hielt er es geduldig über die Lampe; dann tauchte er die Feder hinein, ließ sie eine Weile darin brühen, goß dann das Wasser in das Tintenfaß, rührte es mit der Feder kräftig um und meinte dann in einem sehr befriedigten Tone:
»So, jetzt kann das Werk beginnen; ich bin bereit dazu.«
Er legte das Buch vor sich hin, stellte sich die Tinte bequem zur Hand, räusperte sich energisch, griff zur
