Indem ich langsam die Straße entlang ging und bald nach rechts, bald nach links sah, um ein menschliches Wesen zu entdecken, erblickte ich ein Gebäude, aus dessen niedrigem Dach zwei Stangen ragten, welche ein hölzernes Firmenschild trugen. Es zeigte in einst weißen, nun verwitterten Buchstaben auf dunklem Grunde die verlockenden Worte »Meson de - - -« das übrige war nicht mehr zu lesen. Als ich dastand, um den Rest der Schrift zu entziffern, war endlich der Schritt eines Menschen zu hören. Ich drehte mich um und sah einen Mann, der sich näherte und an mir vorüber wollte. Ich grüßte ihn höflich und fragte ihn, welches Gasthaus wohl das empfehlenswerteste dieser guten Stadt sei. Er deutete auf das Gebäude, vor welchem ich stand, und antwortete:

»Gehen Sie nicht weiter, Sennor. Dieses Hotel ist das nobelste, welches wir haben. Im Schilde fehlt zwar jetzt das Wort Madrid, Ihnen aber wird nichts mangeln, wenn Sie sich dem Wirte, Don Geronimo, anvertrauen. Sie können sich auf meine Empfehlung verlassen, denn ich bin der Escribano (* Stadtschreiber.), von Guaymas und kenne alle Leute. Vorausgesetzt ist natürlich, daß Sie bezahlen können.«

Er warf sich bei Nennung seines wichtigen Amtes in die Brust und betrachtete mich dann mit einem Blicke, welcher mir deutlich sagte, was er von mir dachte, nämlich daß ich höchst wahrscheinlich im Ortsgefängnisse besser aufgehoben sei als im Hotel. Dann schritt er in würdevoller Haltung weiter; ich aber wendete mich im Vertrauen auf die Empfehlung einer solchen Berühmtheit nach der offenen Thüre des Gasthauses. Ich wäre auch ohnedies hier eingekehrt, da ich müde war und keine Lust hatte, mich der Glut der Mittagssonne länger auszusetzen.

Das nobelste Hotel der Stadt! Meson de Madrid! Gute Zimmer, saubere Betten, schmackhafte Speisen! Das Wasser lief mir im Munde zusammen.



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