In der vierten Hängematte entdeckte ich einen ringartigen, grauleinenen Gegenstand, den ich beinahe für einen Rettungsgürtel, wie man sie auf Seeschiffen sieht, gehalten hätte. Bei näherer Betrachtung aber gelangte ich zu der Einsicht, daß sich aus diesem Gürtel erforderlichen Falles etwas Edleres entwickeln könne, weshalb ich ihm einen leichten Schlag versetzte. Der Ring geriet darauf in Bewegung; er löste sich. Es kamen Arme und Beine zum Vorscheine, sogar ein Kopf; der Rettungsgürtel öffnete sich vollständig, sprang aus der Hängematte und verwandelte sich in ein kleines hageres, sehr eng in graues Leinen gekleidetes Männchen, welches mich überrascht betrachtete und dann in zornig sein sollendem, aber nur vorwurfsvoll klingendem Tone fragte:

»Was wollen Sie, Sennor? Warum stören Sie meine Siesta? Warum sind Sie überhaupt wach und munter? In dieser tödlichen Hitze schläft doch jeder vernünftige Mensch!«

»Ich suche den Wirt,« antwortete ich.

»Der bin ich. Don Geronimo ist mein Name.«

»Ich komme soeben in Guaymas an und suche ein Schiff. Kann ich bei Ihnen wohnen?« »Wollen dann sehen; jetzt aber schlafen Sie, dort in einer der Hängematten.« Er deutete nach der andern Seite.

»Ich bin auch müde,« antwortete ich, »aber ich habe Hunger.« »Später, später! Schlafen sie nur erst!« forderte er mich dringend auf. »Und Durst!«

»Jawohl, jawohl! Es wird für alles gesorgt werden; aber schlafen Sie, schlafen Sie doch nur!«

Nachdem er vorher leise gesprochen hatte, war er jetzt lauter geworden. Die andern Hängematten begannen zu schaukeln; darum raunte er mir warnend zu:

»Sprechen Sie nicht weiter, sonst erwacht Donna Elvira! Schlafen Sie, schlafen Sie!«

Er schwang sich in die Hängematte und rollte sich wieder zu einem Ringe zusammen. Was war da zu thun! Ich ließ den Rettungsgürtel mit seiner Familie weiter schlafen, schlich, um Niemanden aufzuwecken, mit leisen Schritten zur Hinterthüre hinaus und gelangte in einen ziemlich großen Hof.



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