Letzteres erkannte ich sogleich; es war Judith, die schöne Jüdin. Der eine der Männer war Melton und der andre ein Indianer, jedenfalls der Besitzer des Zeltes. Sie sprachen noch einige Augenblicke miteinander, dann verschwand der Indianer in seinem Zelte, und Melton ging mit der Jüdin fort, dem Bergwerke zu. Sie hing sich dabei an seinen Arm, eine Vertraulichkeit, bei welcher dem Herkules, wenn er sie gesehen hätte, das Blut in den Kopf gestiegen wäre.

Es war mir nicht unlieb, Melton sogleich bei meiner Ankunft zu sehen; aber dieser Umstand brachte mich in keine geringe Gefahr, denn die beiden kamen in einer so kurzen Entfernung von mir vorüber, daß mir hätte bang werden mögen. Ich lag auf lockerem Sande und warf so rasch wie möglich mit den Händen einen kleinen Haufen vor mir auf, welcher zwar nicht so hoch war, daß er hätte auffallen müssen, mir aber doch soviel Schutz gewährte, daß mich nur ein mißtrauisches Auge entdecken konnte.

Angst fühlte ich ganz und gar nicht. Wenn Melton mich sah, nun, so war trotzdem noch nichts verloren; ich wußte, was ich in diesem Falle zu tun hatte. Versicherte ich mich seiner Person, so war er eine Geißel, mit welcher ich mir die Roten vom Halse halten konnte. Doch war es besser, daß dieser Fall nicht eintrat; er ging mit Judith vorüber, ohne nur einmal dahin zu blicken, wo ich lag. Sie sprachen miteinander und lachten, waren also bei besserer Laune, als der Vater des Mädchens, welcher tief im Innern des vor mir liegenden Felsens steckte. Sie gingen nach der Nordseite desselben, um deren westliche Ecke ich sie verschwinden sah.

Nun konnte ich zurück; ich tat das so, wie ich gekommen war, erst auf dem Bauche kriechend, dann auf Händen und Füßen gehend und endlich, als man mich nicht mehr sehen konnte, aufrecht.



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