Eben war er damit fertig, als drüben ein halblauter Ausruf ertönte. Schnell trat er zur Portiere und blickte hindurch. Der Herzog war eingetreten und hatte den nächtlichen, geheimnißvollen Besuch bemerkt.

"Donner und Doria; wer ist das?!"

Die Zigeunerin machte nicht die geringste Miene, sich zu erheben. Sie that noch einen kräftigen Zug aus ihrer Pfeife und antwortete dann: "Donner und Doria; er kennt Zarba, sein Weib nicht mehr!"

"Zarba!" rief er, sichtlich erschrocken und den Riegel vor die Thür schiebend. "Du lebst noch! Was willst Du? Hast Du vergessen, daß der Tod darauf ruht, wenn Du mein Haus betrittst?" "Der Körper der Zingaritta ist gealtert, aber ihr Geist ist stark. Sie hat nichts vergessen, doch fürchtet sie Dich nicht. Sie lebt noch und wird nur dann sterben, wen Bhowannie es will. Wo hast Du meinen Sohn?" "Er ist längst gestorben." Jetzt erhob sie sich. "Lügner!"

Er lächelte überlegen.

"Weib, nimm Dich in Acht, daß ich Dich nicht vernichte!"

"Mann, hüte Dich vor Zarba, der Zigeunerin! Als sie die Schönste war unter den Töchtern der Brinjaaren, hast Du sie bethört. Sie verließ ihr Volk, um bei Dir zu wohnen; aber Deine Schwüre waren Meineid, Deine Küsse Gift und Deine Liebe und Treue Betrug. Du raubtest mir den Sohn, Deinen und meinen (\17\)B Sohn und stießest mich hinaus in die Welt. Aber ich fand ihn, den Geraubten; ich sagte ihm, wer sein Vater und Henker sei. Du aber rissest mich wieder von ihm und ließest mich aus dem Lande stäupen. Ich kam dennoch zurück und fand seine Spur. Wo ist unser Kind?" "Gestorben."



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