
"Nun? Du trachtest nach Thron und Krone; die Hand der Landstreicherin kann Dir Beides geben und Beides nehmen. Soll sie ihren Sohn wiederhaben?"
Er trat an das Fenster und starrte lange hinaus. Endlich drehte er sich zu ihr um.
"Hast Du bisher geschwiegen?"
"Ja."
"Schwöre es mir!"
"Ich schwöre es bei Bhowannie."
"So sollst Du Deinen Sohn sehen!"
"Nur sehen?"
"Und mitnehmen dürfen."
"Wann?"
"Wann Du willst."
"Morgen! Ich kenne das Haus, in welchem er wohnt." "Gut. Ich werde Dir einen Befehl für den Direktor schreiben."
Er setzte sich und füllte ein herbeigezogenes und bereits mit Unterschrift und Siegel versehenes Blanket aus.
"Hier. Auf Vorzeigen dieser Schrift erhältst Du Einlaß in die Anstalt." Ihr Auge ruht scharf auf ihm. "Du wirst mich nicht betrügen?" "Nein."
"So lebe wohl! Ich komme niemals wieder!"
Die Antwort des Herzogs konnte Max nicht vernehmen; er mußte sich zurückziehen. Doch wohin? In den Gang durfte er sich noch nicht wagen, da ihn die dort bewandertere Zigeunerin sicher eingeholt hätte; es blieb ihm nichts Anderes übrig, als sich unter der Tafel zu verbergen, deren weit herabhängende Decke ihm sicheren Schutz gewährte. (\18\)A Kaum hatte er da Platz genommen, so traten die Beiden in das Bibliothekzimmer. "Lebe wohl für immer," sprach der Herzog, "und bedenke, daß meine Macht so weit reicht, als Euch Eure Füße tragen!"
Sie entfernte sich durch die geheime Thür, während er in sein Arbeitszimmer zurückkehrte. Lange hörte Max ihn in demselben auf- und abgehen; dann erklang das leise Kritzeln einer Feder. Schon überlegte der Doktor, ob er sich auf alle Gefahr hin entfernen oder ruhig versteckt halten solle, bis der Herzog schlafen gegangen sei, als dieser sich erhob und heraus in die Bibliothek trat. Er schritt zur verborgenen Thür, öffnete dieselbe und stieg die Treppe hinab.
