Und dann war da plötzlich das Tier. Eine große Raubkatze, die unvermittelt zwischen den Bäumen stand wie hingezaubert und ihn aus glühenden Augen musterte.

Tonaks Herz schien mit einem Mal groß und pochend seinen gesamten Brustkorb auszufüllen. Blitzartig wurde ihm klar, daß diese Situation gemeint gewesen war, wenn in den alten Büchern vom ’Gesetz der Wildnis’ die Rede gewesen war. Einer würde jetzt das Frühstück des anderen werden – es war nur noch nicht klar, wer.

Die Katze starrte ihn unverwandt und, wie es schien, unschlüssig an, während sie langsam und unhörbar näherkam. Offenbar konnte sie ihren Gegenüber noch weniger einordnen als dies umgekehrt der Fall war. Tonak griff mit einer langsamen, hoffentlich unauffälligen Bewegung nach dem Revolver in seiner Tasche. Gerade noch rechtzeitig fiel ihm ein, die Waffe zu entsichern, dann hob er den Lauf und feuerte.

Das Tier zuckte zusammen und wich fauchend zurück. Tonak feuerte erneut, und die Bestie jaulte auf. Es war nicht so leicht, zu töten, wie Tonak sich das vorgestellt hatte. Er hielt den Atem an und zielte zwischen die Augen, und gerade als die Katze zum Sprung ansetzen wollte, schoß er ein drittes Mal. Das Tier fiel um wie von einer Axt gefällt.

Mit einem nie zuvor erlebten Gefühl der Befriedigung blickte er auf das tote Tier herab. Sein Herz schlug ihm immer noch bis zum Hals.

In den Protokoll der Polizei, das er später unterschreiben mußte und aufgrunddessen er angeklagt wurde wegen »unbefugten Eindringens in ein Naturreservat, unerlaubten und artfremden Tötens eines geschützten Tieres und vorsätzlicher Beschädigung staatlichen Eigentums«, erfuhr er, daß sich dieser Kampf im Planquadrat 234/9 zugetragen hatte.



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