Zwei Nächte, bevor sie auf Old Sparky Platz nehmen musste, rief sie mich zu ihrer Zelle und sagte, sie wäre in einem Traum von ihrem afrikanischen Geistergott besucht worden. Er riet ihr, den Sklavennamen aufzugeben und unter ihrem Namen in Freiheit zu sterben: Matuomi. Das war ihre Bitte, dass auf dem Totenschein der Name Beverly Matuomi stehen sollte. Ich nehme an, ihr Geistergott gab ihr keinerlei Vornamen oder einen, an den sie sich nicht erinnern konnte. Jedenfalls sagte ich ja, okay, prima. In den Jahren als Gefängniswärter lernt man unter anderem, dass man dem zum Tode Verdammten nie etwas abschlagen soll, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Im Fall von Beverly Matuomi war es ohnehin gleichgültig. Der Gouverneur rief am nächsten Nachmittag gegen drei Uhr an und wandelte die Todesstrafe in >lebenslänglich< in der Frauenhaftanstalt Grassy Valley Penal Facility um - wir sagten damals, alles Penal und kein Penis. Es freute mich, als ich Bevs runden Hintern nach links zum Ausgang statt nach rechts zum Stuhl gehen sah, das kann ich Ihnen sagen. Fünfunddreißig Jahre oder so später - es mussten mindestens fünfunddreißig sein - sah ich diesen Namen in der Zeitung unter dem Foto einer schmalgesichtigen schwarzen Lady mit weißem Haar und einer Brille mit Rheinkieseln an der Fassung. Es war Beverly. Sie hatte die letzten zehn Jahre ihres Lebens als freie Frau verbracht und die Bücherei der Kleinstadt Raines Falls ziemlich auf eigene Faust vor der Schließung gerettet, hieß es im Nachruf.

Beverly hatte auch in der Sonntagsschule gelehrt und war in diesem Nest in der tiefsten Provinz sehr beliebt gewesen. BIBLIOTHEKARIN STARB AN HERZVERSAGEN, lautete die Überschrift, und darunter in kleiner Schrift, fast als nachträglicher Einfall: Verbüßte über zwei Jahrzehnte Gefängnisstrafe wegen Mordes.



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