Nach einem langen heißen Kampf konnte Toms Armee einen großartigen Sieg erringen. Dann wurden die Toten gezählt, die Gefangenen abgeführt und der Tag für die nächste Schlacht bestimmt. Danach setzten sich die Armeen in Bewegung und marschierten heimwärts und auch Tom lief nach Hause.

Selig sind die Leidtragenden

Als er an dem Hause vorbeikam, in dem Jeff Thatcher wohnte, sah er dort ein Mädchen im Garten - ein hübsches blauäugiges kleines Ding mit blondem Haar, das in zwei lange Zöpfe geflochten war. Sie trug ein weißes Sommerkleid und bestickte Hosen. Es nahm Tom den Atem. Eine gewisse Amy Lawrence verschwand aus seinem Herzen und hinterließ nicht einmal die kleinste Erinnerung. Eben noch war er ein siegreicher Feldherr gewesen, jetzt war er plötzlich der Unterlegene.

Bis jetzt hatte er geglaubt, dass er sie bis zum Wahnsinn liebe, er hatte sie angebetet, doch in diesem Augenblick dachte er kaum noch an sie. Es hatte ihn Monate gekostet, sie zu gewinnen; vor kaum einer Woche hatte sie ihm ihre Liebe gestanden und er war sieben Tage lang der glücklichste und stolzeste Junge der Welt gewesen. Doch jetzt, in einem einzigen Augenblick, verschwand sie aus seinem Herzen wie eine Wildfremde.

Mit heimlichen Blicken beobachtete er den neuen kleinen Engel, bis er bemerkte, dass auch sie ihn gesehen hatte. Dann tat er so, als hätte er sie nicht bemerkt, und fing an, nach Jungenart „anzugeben", um ihre Bewunderung zu erregen. Er war gerade bei einer besonders gefährlichen turnerischen Übung, als er sah, dass das kleine Mädchen sich dem Haus zuwandte. Sofort beendete er seine Vorstellung und lehnte sich an den Zaun, in der Hoffnung, sie werde noch eine Weile bleiben. Einen Augenblick blieb sie an der Treppe stehen, dann jedoch ging sie auf die Tür zu. Ein schwerer Seufzer entrang sich Toms Brust, als sie ihren Fuß auf die letzte Stufe setzte. Aber sein Gesicht erhellte sich sofort, als sie ihm über den Zaun ein Stiefmütterchen zuwarf. Was? Eine Blume? Und für ihn?



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