Die Menge macht den Künstler irr' und scheu:

Nur wer Euch ähnlich ist, versteht und fühlt,

Nur der allein soll richten und belohnen!

Alphons.

Und stellen wir denn Welt und Nachwelt vor,

So ziemt es nicht nur müßig zu empfangen.

Das schöne Zeichen, das den Dichter ehrt,

Das selbst der Held, der seiner stets bedarf,

Ihm ohne Neid um's Haupt gewunden sieht,

Erblick' ich hier auf deines Anherrn Stirne.

Auf die Herme Virgils deutend.

Hat es der Zufall, hat's ein Genius

Geflochten und gebracht? Es zeigt sich hier

Uns nicht umsonst. Virgilen hör' ich sagen:

Was ehret ihr die Todten? Hatten die

Doch ihren Lohn und Freude da sie lebten;

Und wenn ihr uns bewundert und verehrt,

So gebt auch den Lebendigen ihr Theil.

Mein Marmorbild ist schon bekränzt genug,

Der grüne Zweig gehört dem Leben an.

Alphons winkt seiner Schwester; sie nimmt den Kranz von der Büste Virgils und nähert sich Tasso. Er tritt zurück.

Leonore.

Du weigerst dich? Sieh welche Hand den Kranz,

Den schönen unverwelklichen, dir bietet!

Tasso.

O laßt mich zögern, seh' ich doch nicht ein

Wie ich nach dieser Stunde leben soll.

Alphons.

In dem Genuß des herrlichen Besitzes,

Der dich im ersten Augenblick erschreckt.

Prinzessinn indem sie den Kranz in die Höhe hält.

Du gönnest mir die seltne Freude, Tasso,

Dir ohne Wort zu sagen wie ich denke.

Tasso.

Die schöne Last aus deinen theuren Händen

Empfang' ich knieend auf mein schwaches Haupt.

Er kniet nieder, die Prinzessinn setzt ihm den Kranz auf.



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