
»Was tun Sie eigentlich für Ihre Gesundheit?«
»Ich dusche nur mit Freunden«, antwortete Howard.
Victoria Wilder-Scott gesellte sich zu ihnen. In Khaki und Karo, die Brille ins Haar geschoben, ein dickes Ringbuch an die Hühnerbrust gedrückt, kam sie ihnen entgegen. Mit zusammengekniffenen Augen musterte sie ihre Kursteilnehmer, offensichtlich perplex darüber, dass sie sie nur verschwommen erkennen konnte. Einen Augenblick später wurde ihr klar, weshalb.
»Ach so, die Brille«, sagte sie und zog diese auf ihre Nase herunter, während sie geschäftig zu sprechen fortfuhr. »Sie haben alle die Broschüren gelesen? Und das zweite Kapitel vonGreat Houses of the British Isles? - Gut, dann haben wir also alle eine klare Vorstellung davon, was uns an Sehenswürdigkeiten in Abinger Manor erwartet? Die großartige Sammlung von Meißner Porzellan, die zum Teil in Ihrem Lehrbuch abgebildet ist. Die edelste in ganz England. Die Gemälde von Gainsborough, Le Brun, Turner, Constable und Reynolds. Diesen wunderschönen Whistler. Und den Holbein. Das Rokoko-Silber. Einige außergewöhnliche Möbelstücke. Die italienischen Skulpturen. Die prächtigen historischen Trachten und Kostüme. Die Gartenanlagen sind übrigens eine Pracht, mit Sissinghurst vergleichbar. Und der Park ... Tja, wir haben leider nicht die Zeit, alles zu besichtigen, aber wir werden unser Bestes tun, nicht wahr? Sie haben alle Ihre Hefte dabei? Und Ihre Fotoapparate?«
»Polly nimmt ihren mit«, warf Noreen ein. »Da brauchen wir keinen anderen.«
Victoria warf einen Eulenblick auf die Seminarchronistin. Sie hatte von Beginn an kein Geheimnis daraus gemacht, dass Pollys Eifer ihr gefiel, und wünschte nur, unter ihren Schülern gäbe es mehr, die sich mit solchem Enthusiasmus in die CambridgeErfahrung stürzten. In Victorias Augen war genau das der Haken an den Sommerseminaren: Sie wurden im Allgemeinen von betuchten Amerikanern gebucht, deren Vorstellung davon, Neues zu lernen, sich darauf beschränkte, in der Bequemlichkeit des Wohnzimmersofas hockend Fernsehdokumentarfilme zu konsumieren.
