
»Ein kluger Gedanke.«Geser nickte. »Ich werde jemanden beauftragen, die Zeitungen und Websites auf entsprechende Anzeigen durchzukämmen.«
Ich starrte Geser an, verstand aber nicht, ob er sich einen Scherz erlaubte oder das völlig ernst meinte.
»Ich glaube nicht, dass wir es mit einer realen Gefahr zu tun haben«, sagte ich. »Vermutlich hat nur ein kreuzdämlicher Vampir beschlossen, sich etwas dazuzuverdienen. Er führt einem reichen Menschen ein paar Tricks vor und bietet ihm… äh… einen Biss an. »
»Beißen lassen, Glück abfassen«, stieß Geser ins gleiche Horn.
»Irgendjemand…«, fuhr ich munter fort, »… zum Beispiel die Frau des Mannes, hat dann von diesem wahnsinnigen Vorschlag erfahren! Während der holde Gatte noch zögert, beschließt sie, uns zu schreiben. In der Hoffnung, dass wir den Vampir ausschalten und ihr Mann ein Mensch bleibt. Daher auch diese Kombination: die aus der Zeitung ausgeschnittenen Buchstaben und der Briefkasten im Assol. Das ist ein Hilfeschrei! Sie kann sich nicht direkt mit uns in Verbindung setzen, fleht aber förmlich: Rettet meinen Mann!«
»Du Romantiker«, höhnte Geser missbilligend. »Wenn Ihnen Leben und Verstand teuer sind, so halten Sie sich vom Moor fern… Und dann, ritsch, ratsch, werden mit der Nagelschere aus der neuesten Prawda die Buchstaben ausgeschnitten… Hat sie die Adresse eigentlich auch aus der Zeitung?«
»Die Adresse der Inquisition!«, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
»Diesmal liegst du richtig. Könntest du der Inquisition einen Brief schicken?«
Ich schwieg. Vorgeführt. Dabei hatte Geser nicht mal ein Geheimnis aus dem Brief an die Inquisition gemacht!
»Bei uns in der Wache kenne nur ich die Postadresse. In der Tagwache dürfte es nur Sebulon sein. Was folgt daraus, Gorodezki?«
