Außerdem hatte ich mich wirklich sehr über den Anruf gefreut. Der Tag war sowieso im Eimer. Ich würde erst in einer Woche auf die Datscha fahren. Für einen Wohnungsputz war es noch zu früh. Wie jeder Mann, der auf sich hält, tat ich das in Abwesenheit meiner Familie nur einmal: am letzten Tag meines Strohwitwerdaseins. Danach, jemanden zu besuchen oder einzuladen, stand mir absolut nicht der Sinn. Deshalb war es viel vernünftiger, den Urlaub einen Tag früher zu beenden, um zu gegebener Zeit reinen Gewissens meine Überstunden abbummeln zu können. Selbst wenn das bei uns nicht üblich ist.

»Danke, Chef«, höhnte ich sarkastisch. Wohl oder übel stemmte ich mich aus dem Sessel hoch und legte das Buch, das ich gerade las, weg. Reckte mich. Dann klingelte das Telefon noch einmal.

Klar, jetzt würde Geser anrufen und»Keine Ursache«sagen. Selbst wenn das nun wirklich kindisch war! »Hallo!«, meldete ich mich mit sehr sachlicher Stimme.

»Anton, ich bin's.«

»Swetka«, begrüßte ich sie, während ich mich wieder hinsetzte. Und mich anspannte: Swetas Stimme klang alarmierend. Besorgt. »Swetka, ist was mit Nadja?«

»Es ist alles in Ordnung«, antwortete sie rasch. »Mach dir keine Sorgen. Sag mir lieber, wie es bei dir aussieht.«

Einen Moment lang dachte ich nach. Ich hatte mich nicht besoffen, keine Frauen ins Haus geschleppt, die Wohnung nicht im Chaos versinken lassen, sogar das Geschirr abgewaschen… Dann kam ich drauf. »Geser hat angerufen. Gerade eben. »

»Was wollte er?«, hakte Swetlana sofort nach.

»Nichts Besonderes. Ich soll gleich mal ins Büro kommen.«

»Anton, irgendwas spüre ich. Etwas stimmt nicht. Hast du eingewilligt? Fährst du in die Wache? »

»Warum nicht? Mir fällt hier die Decke auf den Kopf.«



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