Simon R. Green

WÄCHTER DER MENSCHHEIT

Kapitel Eins

Alles bis auf eine Weintraube

Es begann wie eine ganz alltägliche Mission. Ein gewisser Sehr Wichtiger Politiker, dessen Name und Gesicht Ihnen nicht fremd wären, war - sehr heimlich - in die Harley Street in London gekommen, Heimat einer der fachkundigsten - und zweifelsohne einer der teuersten - Stellen für medizinische Spezialbehandlungen der gesamten zivilisierten Welt. Dieser Politiker, lassen Sie ihn uns Mr. President nennen - und nein, nicht der, an den Sie jetzt denken -, hatte sich unter fremdem Namen ein Zimmer im Hospiz Saint Baphomet reservieren lassen, nachdem er sich auf einer Goodwilltour durch Thailand eine übernatürliche Geschlechtskrankheit zugezogen hatte. Er war so dumm gewesen, das Halsband mit der Leine seines Hundeführers abzustreifen und in den Bars der Seitengassen Bangkoks ein bisschen Spaß zu suchen, und hatte so viel Pech gehabt, zu guter Letzt eine Agentin der Dunkelheit, die sich als Ladydingsda verkleidet hatte, zu bumsen. Als Folge davon war Mr. President jetzt sehr hochschwanger mit etwas, was das genaue Gegenteil eines Kinds der Liebe war. Es war angeordnet worden, diese unnatürliche Schwangerschaft gnadenlos und ohne Rücksicht auf den Sprössling zu beenden. Er sollte nicht geboren werden, oder wenn doch geboren, dann nicht frei in der materiellen Welt herumlaufen gelassen werden.

Man hatte mich mit einer Waffe ausgestattet, und man erwartete von mir, dass ich sie benutzte.

(Wie wir das herausgefunden haben? Meine Familie weiß alles. Das ist ihre Aufgabe. Und wenn man so viele Jahrhunderte wie wir auf der guten Seite gekämpft hat, dann ist es unvermeidlich, dass ein weit reichendes Netzwerk von Informanten und Spitzeln entsteht.)

Ich schlenderte, gut sichtbar versteckt, lässig die Harley Street hinunter. Niemand sah zweimal nach mir; niemand tut das je.



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