
China hörte sich das alles an, während sie einen kleinen Jungen beobachtete, der auf seinem Dreirad den Gehweg hinunterstrampelte, gefolgt von seiner wachsamen Mutter und einem noch wachsameren Schäferhund. Der Kleine gelangte an eine Stelle, wo sich der Beton unter dem Druck einer Baumwurzel aufgewölbt hatte, und das Vorderrad seines Gefährts prallte gegen die Verwerfung. Er versuchte, das Hindernis zu überwinden, aber er war machtlos, bis seine Mutter ihm zu Hilfe kam. Diese Szene rief bei China eine unerklärliche Traurigkeit hervor.
Matt wartete auf ihre Reaktion. Sie hätte gern eine neue Art des Ausdrucks für ihre Enttäuschung gefunden, aber ihr fiel nichts ein.»Ich habe vorhin eigentlich nicht den Film gemeint, Matt«, sagte sie.
«Oh.«
Danach gab es nichts mehr zu bereden. Sie wusste, dass er in New York bleiben würde, um den Termin wahrzunehmen, den er sich so hart erkämpft hatte, und dass sie allein zurechtkommen musste. Wieder ein gebrochenes Versprechen; wieder eine Faust voll Sand im Getriebe des großen Lebensplans.
Sie sagte:»Also dann, Hals- und Beinbruch für die Besprechung.«
«Wir bleiben in Kontakt. Die ganze Woche. In Ordnung?«, erwiderte er.»Ist das okay für dich, China?«
«Hab ich eine Wahl?«, entgegnete sie und verabschiedete sich.
Sie nahm es sich selbst übel, dass sie das Gespräch so abrupt beendet hatte, aber ihr war heiß, sie fühlte sich elend, mutlos und niedergeschlagen… Man konnte es nennen, wie man wollte. Tatsache war, dass sie nichts mehr zu geben hatte.
Sie hasste jene Seite an sich, die an der Zukunft zweifelte, und meistens gelang es ihr, sie zu unterdrücken. Wenn sie jedoch mit ihr durchging und die Herrschaft an sich riss, um ihr das drohende Chaos vor Augen zu halten, führte das niemals zu etwas Gutem. Es machte sie zu einer ängstlichen Person, die sich an den Glauben in eine von ihr seit langem verabscheute Frauenrolle klammerte, in der die Frau sich einzig über den Mann definiert und daher mit allen Mitteln einen finden muss, um ihn zu heiraten und möglichst schnell mit einem Haufen Kindern festzunageln. Niemals würde sie sich dazu hergeben, schwor sie sich immer wieder. Und trotzdem wünschte es ein Teil von ihr.
