
»Bernouin!« sprach der Kardinal, ohne daß er sich umwandte, denn da er zweimal gepfiffen hatte, so wußte er schon, es müsse sein Kammerdiener sein. »welche Musketiere sind im Palast auf der Wache?«
»Monseigneur, die schwarzen Musketiere.«
»Welche Kompagnie?«
»Die Kompagnie Treville.«
»Steht etwa ein Offizier der Kompagnie im Vorgemach?«
»Der Leutnant d'Artagnan.«
»Ein Vertrauenswürdiger - nicht wahr?«
»Ja, Monseigneur.«
»Rufe mir Herrn d'Artagnan.«
Der Kammerdiener ging diesmal durch die Mitteltür ab, und zwar immer so still und schweigsam wie vorher. Man hätte glauben mögen, er sei ein Schatten.
Bald darauf ging die Türe wieder auf. »Herr d'Artagnan,« sprach der Kammerdiener.
Ein Offizier trat ein. Es war ein Mann von neununddreißig bis vierzig Jahren, von kleinem Wuchse, doch gut gebaut, mit einem lebhaften und geistvollen Auge, mit schwarzem Bart und Haaren, die zu ergrauen begannen, wie das immer geschieht, wenn man das Leben zu gut oder zu schlecht genossen hat, und zumal, wenn man stark braune Haare hat. D'Artagnan trat vier Schritte in das Kabinett und blieb in ehrfurchtsvoller, doch würdiger Haltung stehen. Der Kardinal richtete sein mehr schlaues als durchdringendes Auge auf ihn, und prüfte ihn aufmerksam; dann sprach er nach einigen Sekunden des Schweigens:
»Ihr seid Herr d'Artagnan?«
»Ich bin es, gnädigster Herr,« entgegnete der Offizier. »Mein Herr,« sprach der Kardinal, »Ihr werdet jetzt mit mir gehen, oder vielmehr, ich will mit Euch gehen.«
»Ich stehe zu Befehl, gnädigster Herr,« antwortete d'Artagnan. »Ich möchte gern selbst die umliegenden Wachtposten des Palais-Royal besichtigen; glaubt Ihr, das sei mit Gefahr verbunden?«
»Gefahr?« fragte d'Artagnan, »und welche denn?«
