
»Papa, sie hat genug«, sagte Henry so missbilligend wie ein Pastor. Über uns erschienen die ersten flimmernden Sterne über der ebenen weiten Leere, die ich mein Leben lang geliebt habe.
»Ach, ich weiß nicht«, sagte ich. »In vino veritas, das sagt Plinius der Ältere … in einem dieser Bücher, über die deine Mutter immer spottet.«
»Hand den ganzen Tag am Pflug, Nase die ganze Nacht in einem Buch«, sagte Arlette. »Außer wenn er was anderes in mir hat.«
»Mama!«
»Mama!«, äffte sie ihn nach, dann hob sie ihr Glas in Richtung Harlan Cotteries Farm, die jedoch zu weit entfernt war, als dass wir ihre Lichter hätten sehen können.
Mein Sohn gab keine Antwort, aber was ich im Halbdunkel von seinem Gesicht ablesen konnte, ließ den Hinterhältigen frohlocken.
Sie wandte sich Henry zu, packte ihn am Arm und verschüttete dabei etwas Wein auf sein Handgelenk. Ohne auf sein angewidertes Maunzen zu achten, starrte sie ihn mit plötzlich grimmiger Miene an und sagte: »Aber wenn du mit ihr im Mais oder hinter der Scheune liegst, pass bloß auf, dass du kein Frühzünder bist.« Sie ballte die freie Hand zur Faust, reckte den Mittelfinger vor und benutzte ihn dazu, rasch einen Kreis um ihren Schritt zu steppen: linker Oberschenkel, rechter Oberschenkel, Bauch rechts, Nabel, Bauch links, dann zum linken Oberschenkel zurück. »Du darfst alles erforschen und mit deinem Johnny Mac daran herumreiben, bis er sich gut fühlt und spuckt, aber bleib vom Mittelpunkt weg, sonst findest du dich eines Tages lebenslänglich gefangen - genau wie deine Mama und dein Daddy.«
