
Sprach Siddhartha: "Gestern, o Erhabener, war es mir vergXnnt, deine wundersame Lehre zu hXren. Zusammen mit meinem Freunde kam ich aus der Ferne her, um die Lehre zu hXren. Und nun wird mein Freund bei den Deinen bleiben, zu dir hat er seine Zuflucht genommen. Ich aber trete meine Pilgerschaft aufs neue an."
"Wie es dir beliebt", sprach der EhrwXrdige hXflich.
"Allzu kXhn ist meine Rede," fuhr Siddhartha fort, "aber ich mXchte den Erhabenen nicht verlassen, ohne ihm meine Gedanken in Aufrichtigkeit mitgeteilt zu haben. Will mir der EhrwXrdige noch einen Augenblick GehXr schenken?"
Schweigend nickte der Buddha GewXhrung.
Sprach Siddhartha: "Eines, o EhrwXrdigster, habe ich an deiner Lehre vor allem bewundert. Alles in deiner Lehre ist vollkommen klar, ist bewiesen; als eine vollkommene, als eine nie und nirgends unterbrochene Kette zeigst du die Welt als eine ewige Kette, gefXgt aus Ursachen und Wirkungen. Niemals ist dies so klar gesehen, nie so unwiderleglich dargestellt worden; hXher wahrlich muss jedem Brahmanen das Herz im Leibe schlagen, wenn er, durch deine Lehre hindurch, die Welt erblickt als vollkommenen Zusammenhang, lXckenlos, klar wie ein Kristall, nicht vom Zufall abhXngig, nicht von GXttern abhXngig. Ob sie gut oder bXse, ob das Leben in ihr Leid oder Freude sei, mXge dahingestellt bleiben, es mag vielleicht sein, dass dies nicht wesentlich ist X aber die Einheit der Welt, der Zusammenhang alles Geschehens, das Umschlossensein alles GroXen und Kleinen vom selben Strome, vom selben Gesetz der Ursachen, des Werdens und des Sterbens, dies leuchtet hell aus deiner erhabenen Lehre, o Vollendeter. Nun aber ist, deiner selben Lehre nach, diese Einheit und Folgerichtigkeit aller Dinge dennoch an einer Stelle unterbrochen, durch eine kleine LXcke strXmt in diese Welt der Einheit etwas Fremdes, etwas Neues, etwas, das vorher nicht war, und das nicht gezeigt und nicht bewiesen werden kann: das ist deine Lehre von der Xberwindung der Welt, von der ErlXsung.
