Sprach Siddhartha: "Schon fange ich an, von dir zu lernen. Auch gestern schon habe ich gelernt. Schon habe ich den Bart abgelegt, habe das Haar gekXmmt, habe Xl im Haare. Weniges ist, das mir noch fehlt, du Vortreffliche: feine Kleider, feine Schuhe, Geld im Beutel. Wisse, Schwereres hat Siddhartha sich vorgenommen, als solche Kleinigkeiten sind, und hat es erreicht. Wie sollte ich nicht erreichen, was ich gestern mir vorgenommen habe: dein Freund zu sein und die Freuden der Liebe von dir zu lernen! Du wirst mich gelehrig sehen, Kamala, Schwereres habe ich gelernt, als was du mich lehren sollst. Und nun also: Siddhartha genXgt dir nicht, so wie er ist, mit Xl im Haar, aber ohne Kleider, ohne Schuhe, ohne Geld?"

Lachend rief Kamala: "Nein, Werter, er genXgt noch nicht. Kleider muss er haben, hXbsche Kleider, und Schuhe, hXbsche Schuhe, und viel Geld im Beutel, und Geschenke fXr Kamala. WeiXt du es nun, Samana aus dem Walde? Hast du es dir gemerkt?"

"Wohl habe ich es mir gemerkt," rief Siddhartha. "Wie sollte ich mir nicht merken, was aus einem solchen Munde kommt! Dein Mund ist wie eine frisch aufgebrochene Feige, Kamala. Auch mein Mund ist rot und frisch, er wird zu deinem passen, du wirst sehen. X Aber sage, schXne Kamala, hast du gar keine Furcht vor dem Samana aus dem Walde, der gekommen ist, um Liebe zu lernen?"

"Warum sollte ich denn Furcht vor einem Samana haben, einem dummen Samana aus dem Walde, der von den Schakalen kommt und noch gar nicht weiX, was Frauen sind?"

"Oh, er ist stark, der Samana, und er fXrchtet nichts. Er kXnnte dich zwingen, schXnes MXdchen. Er kXnnte dich rauben. Er kXnnte dir weh tun."

"Nein, Samana, das fXrchte ich nicht. Hat je ein Samana oder ein Brahmane gefXrchtet, einer kXnnte kommen und ihn packen und ihm seine Gelehrsamkeit, und seine FrXmmigkeit, und seinen Tiefsinn rauben? Nein, denn die gehXren ihm zu eigen und er gibt davon nur, was er geben will und wem er geben will.



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