
Jenes hohe, helle Wachsein, welches er einst, auf der HXhe seiner Jugend, erlebt hatte, in den Tagen nach Gotamas Predigt, nach der Trennung von Govinda, jene gespannte Erwartung, jenes stolze Alleinstehen ohne Lehren und ohne Lehrer, jene geschmeidige Bereitschaft, die gXttliche Stimme im eigenen Herzen zu hXren, war allmXhlich Erinnerung geworden, war vergXnglich gewesen; fern und leise rauschte die heilige Quelle, die einst nahe gewesen war, die einst in ihm selber gerauscht hatte. Vieles zwar, das er von den Samanas gelernt, das er von Gotama gelernt, das er von seinem Vater, dem Brahmanen, gelernt hatte, war noch lange Zeit in ihm geblieben: mXiges Leben, Freude am Denken, Stunden der Versenkung, heimliches Wissen vom Selbst, vom ewigen Ich, das nicht KXrper noch Bewusstsein ist. Manches davon war in ihm geblieben, eines ums andre aber war untergesunken und hatte sich mit Staub bedeckt. Wie die Scheibe des TXpfers, einmal angetrieben, sich noch lange dreht und nur langsam ermXdet und ausschwingt, so hatte in Siddharthas Seele das Rad der Askese, das Rad des Denkens, das Rad der Unterscheidung lange weiter geschwungen, schwang immer noch, aber es schwang langsam und zXgernd und war dem Stillstand nahe. Langsam, wie Feuchtigkeit in den absterbenden Baumstrunk dringt, ihn langsam fXllt und faulen macht, war Welt und TrXgheit in Siddharthas Seele gedrungen, langsam fXllte sie seine Seele, machte sie schwer, machte sie mXde, schlXferte sie ein. DafXr waren seine Sinne lebendig geworden, viel hatten sie gelernt, viel erfahren.
Siddhartha hatte gelernt, Handel zu treiben, Macht Xber Menschen auszuXben, sich mit dem Weibe zu vergnXgen, er hatte gelernt, schXne Kleider zu tragen, Dienern zu befehlen, sich in wohlriechenden Wassern zu baden.
