Da mahnte ihn einst ein Traum. Er war die Abendstunden bei Kamala gewesen, in ihrem schXnen Lustgarten. Sie waren unter den BXumen gesessen, im GesprXch, und Kamala hatte nachdenkliche Worte gesagt, Worte, hinter welchen sich eine Trauer und MXdigkeit verbarg. Von Gotama hatte sie ihn gebeten zu erzXhlen, und konnte nicht genug von ihm hXren, wie rein sein Auge, wie still und schXn sein Mund, wie gXtig sein LXcheln, wie friedevoll sein Gang gewesen. Lange hatte er ihr vom erhabenen Buddha erzXhlen mXssen, und Kamala hatte geseufzt, und hatte gesagt: Einst, vielleicht bald, werde auch ich diesem Buddha folgen. Ich werde ihm meinen Lustgarten schenken, und werde meine Zuflucht zu seiner Lehre nehmen." Darauf aber hatte sie ihn gereizt, und ihn im Liebesspiel mit schmerzlicher Inbrunst an sich gefesselt, unter Bissen und unter TrXnen, als wolle sie noch einmal aus dieser eiteln, vergXnglichen Lust den letzten sXen Tropfen pressen. Nie war es Siddhartha so seltsam klar geworden, wie nahe die Wollust dem Tode verwandt ist. Dann war er an ihrer Seite gelegen, und Kamalas Antlitz war ihm nahe gewesen, und unter ihren Augen und neben ihren Mundwinkeln hatte er, deutlich wie noch niemals, eine bange Schrift gelesen, eine Schrift von feinen Linien, von leisen Furchen, eine Schrift, die an den Herbst und an das Alter erinnerte, wie denn auch Siddhartha selbst, der erst in den Vierzigern stand, schon hier und dort ergraute Haare zwischen seinen schwarzen bemerkt hatte. MXdigkeit stand auf Kamalas schXnem Gesicht geschrieben, MXdigkeit vom Gehen eines langen Weges, der kein frohes Ziel hat, MXdigkeit und beginnende Welke, und verheimlichte, noch nicht gesagte, vielleicht noch nicht einmal gewusste Bangigkeit: Furcht vor dem Alter, Furcht vor dem Herbste, Furcht vor dem SterbenmXssen. Seufzend hatte er von ihr Abschied genommen, die Seele voll Unlust, und voll verheimlichter Bangigkeit.

Dann hatte Siddhartha die Nacht in seinem Hause mit TXnzerinnen



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